Aktuelles / News (mostly in German)




1. Informationen und Aufrufe

a) Aktuelle Informationen zu Geschichte, historischer Bildung und Forschung sowie zu Geschichts- und Erinnerungspolitik

2. Informationen zu den Autorinnen und Übersetzerinnen

3. Neue Bücher

4. Aktuelle Termine und mehr – alphabetisch nach Städten und Datum geordnet (Berlin, Bochum, Bonn, Cottbus-Senftenberg, Dortmund, Köln, Mecklenburg-Vorpommern)

5. Forschungssplitter

6. Neu auf der Website

7. Website updates

8. Infos zur Website




1. a) Aktuelle Informationen zu Geschichte, historischer Bildung und Forschung sowie zu Geschichts- und Erinnerungspolitik




Lesbengeschichte in Zeiten erstarkender rechter, extrem rechter und völkisch-autoritärer Kräfte

Dankesrede zur Verleihung der CouLe – Preis für couragierte Lesben der LAG Lesben in NRW 2019


Von Ingeborg Boxhammer und Christiane Leidinger



I. Dank

Dankeschön! Wir freuen uns sehr über den Preis für unser Lesbengeschichtsportal und fühlen uns geehrt!
Unser Dank gilt Astrid Hirsch für die Laudatio! Außerdem bedanken wir uns bei der Jury1 für die Auszeichnung, bei Geschäftsführung und Vorstand der LAG Lesben, der LAG selbst für ihre Arbeit und beim Vorbereitungsteam für den heutigen Tag sowie bei Constance Ohms für ihre Videobotschaft und virtuelle Übergabe der Figurine.

Und last not least geht ein feministischer Dank an die Künstlerin Regine Rostalski für die CouLe, dieses wunderbare Metallkunstwerk und ein Dank für die schöne historische Performance und die wunderbare Musik von "Lydies lesbischer Verwandtschaft" – Ihr habt großartig gespielt!

Als Preisträgerinnen haben wir zwei Beiträge vorbereitet: eine Präsentation, mit der wir sichtbar machen wollen, wer – auch historisch gesehen – hinter dem Lesbengeschichtsportal steht, und einen rund zehnminütigen Redebeitrag, was es für uns bedeutet, die CouLe in diesem Jahr zu erhalten. Wir freuen uns auch sehr, dass einzelne Autorinnen, Übersetzerinnen und viele Unterstützer*innen des Portals heute hier sind und mit uns feiern! Schön, dass ihr alle gekommen seid!

Die CouLe

II. Elektronische Kurz-Präsentation zu den Personen hinter dem Portal

Textinhalt: Das mehrsprachige Portal Lesbengeschichte.org wurde von uns 2005 initiiert und schrittweise weiter entwickelt.

Wir danken herzlich den rund 100 Personen, die Teile des Weges begleitet haben, mit dem Projekt verbunden sind und es auf vielfältige Weise unterstützen:
von „a“ wie anfeuernd über „k“ wie kontaktvermittelnd zu „s“ wie schreibend oder spendend bis „ü“ wie übersetzend.

17 Autor*innen:
Christian-Alexander Wäldner, Christiane Leidinger, Claudia Schoppmann, Corinna Tomberger, Erwin In het Panhuis, Gabi Einsele, Heike Schader, Ilse Kokula, Ingeborg Boxhammer, Jens Dobler, Madeleine Marti, Petra Heinrichs, Raimund Wolfert, Regula Schnurrenberger (1953-2005), Sabine Kröner, Ulrike Janz und Ulrike Sparr.

35 Übersetzer*innen:
A. K., Alex Harstall, Aline Tizon, Allison Brown, Amor Escalier, Angelika Wichert, Anita Winter, Anke Sauerbrey, Anu Karlson, Bibiane Lengler-Michaelsen, Carmen Chantico, Claudia Walther, Dagmar Heymann, Duygu Nalbant, Edith Kellenhusen, Elena Terson de Paleville, Eva Gundermann, Frauke Köppen-Schomerus, Grit Paechnatz, Isabelle Jahraus, Katharina Mader, Kseniya Hahn, Lisa Blau, Marina Kaykhanidi, Marion Dupuis, Moba Kifra, Monika Richrath, Natalia Gerodetti, Paula Jojart, Petra Pokorniková, Radcliff Nord, Regina Weber, Ron, Silvia R. und Vanessa Tuttlies.

2 Webdesignerinnen:
Heike Jachtmann (Framelose Seiten), Nika Schwab (Design)

2 Postkartendesignerinnen:
Sandra H. (Lotte-Hahm-Postkarte), Taro Trautner (Portal-Postkarten)

… und zahlreiche Unterstützer*innen:
Barbara, Barbara, Birgit, Birgit Schnieders, Brigitta, Claudia, Claudia Breger, Claudia Koltzenburg, Corinna, Cornelia, Cynthia Wilson, Ellen, Faina Großmann, Franziska Rauchut, Gabriele, Gabriele Dennert, Gabriele Mietke, Gabriele D. Rosenstreich, Hedwig Henschel, Heike Cox, Heike Janes, Helga Zimmermann, Ira Kriesche, Jillian B. Suffner, Julia, Jutta, Katharina, Katharina, Kima, Kirsten, Madeleine S., Margit, Michaela Cox, Muriel González Athenas, Nathalie, Olaf, Petra, P. S., Ralf Dose, Regine Henschel, Sonja, T. M., Ulrike, Ulrike, Ute, Wiebke Großmann und Yvonne Bühlmann.

… und möglicherweise versehentlich doch nicht Genannte sowie nicht zuletzt die Leser*innen und Surfer*innen des Portals.


III. Rede

Die CouLe verliehen zu bekommen, das bedeutet für uns alle das Feiern und Würdigen der Geschichte und Geschichten von Lesben!

Die Rekonstruktion von Lesbengeschichte ist neben Repräsentation von Lesben in der Historie immer auch Anerkennung von lesbischem Leben, Lieben und Begehren gegen gesellschaftliche Widerstände und eine Würdigung politischer Kämpfe von Lesben gegen Diskriminierung, Gewalt und gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse – gestern und heute!

Wir freuen uns sehr über den Preis – und gleichzeitig sind wir uns dessen bewusst, dass auch andere Geschichtsaktivistinnen ihn verdient hätten. Auch ihre Arbeit erfährt Anerkennung durch die Verleihung des Preises für unser Engagement in lesbenhistorischer Spurensuche und Geschichtsvermittlung.

Der Preis ist eine Wertschätzung unserer Arbeit und auch eine Anerkennung unseres Selbstverständnisses: Das Portal zielte von Anfang an auf eine kritische Rekonstruktion von Geschichte.2

Die CouLe im Jahr 2019 verliehen zu bekommen, heißt für uns, eine Auszeichnung in einer Zeit zu erhalten, in der geschichtsrevisionistische Äußerungen in einem kaum vorstellbaren Ausmaß öffentlich sprechbar geworden sind - und in einer Zeit, in der rechte, völkisch-autoritäre und extrem rechte Kräfte massiv erstarken.
Mit diesen politischen Verschiebungen einher und daraus hervor geht ein zunehmender Antisemitismus, ein zunehmender Rassismus - und auch ein zunehmender Antifeminismus. Aber: Es wäre leichtfertig und es wäre auch falsch, diese Verschiebungen lediglich politisch "rechts" zu verorten.
Denn: Viele dieser und andere diskriminierende Einstellungen und Verhaltensweisen kommen aus der Mitte der Gesellschaft oder sie finden dort Anschlussstellen - bzw. haben bereits konkrete Anschlussflächen.

Die aus den gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen entstehende Diskriminierung und Gewalt - von "A" wie Ableism/Behindertenfeindlichkeit3 bis "R" wie Rassismus - sind historisch gewachsen. Basis ist jeweils die Erfindung von sozialen Gruppen - wie etwa die Gruppe Frauen, Lesben oder Schwarze Menschen. Zugleich werden diese Gruppen hierarchisiert gedacht, also als Unterordnung im Vergleich zu Männern, Heteros und Weißen. Christiane hat die Verbindung zwischen der historischen Entstehung der Phänomene und der aktuellen Situation "Nicht-vergangene-Diskriminierungsgeschichte in der Gegenwart"4 genannt.

In Zeiten wie diesen den Preis für ein kritisches Geschichtsprojekt zu erhalten, lädt zu einer kurzen Reflexion über den Sinn historischen Arbeitens ein:
Der Anspruch des Lesbengeschichtsportals geht über Sichtbarmachen und Sichtbarkeit der Geschichte von Lesben und über Erinnerung von Vergessenem – und auch über Mahnungen – hinaus.

Der sozialistische Historiker und Politologe Howard Zinn (1922-2010) prägte das treffende Bild von Geschichtswissenschaftler* innen, die bei ihrer Arbeit nicht wählen können, vermeintlich neutral zu sein, die gleichsam über einen "fahrenden Zug" schreiben: das Gestern, Heute und Morgen.5 Denn es lassen sich zwei Ebenen unterscheiden, auf denen Geschichte eine Bedeutung hat: Die gegenwärtige Vergangenheit bestimmt die aktuelle Situation, in der wir uns selbst befinden; diese Ebene der Bedeutung liegt nicht in unserer Hand – "sie ist bereits bestimmt". Wir können jedoch wählen, wie wir Geschichte erforschen und wie wir sie erzählen. Gleichzeitig beeinflusst auf der zweiten Ebene unsere Reflexion der Vergangenheit das, was wir bezogen auf die aktuelle Situation tun; und das liegt sehr wohl in unserer Hand.6

Das Portal Lesbengeschichte hat sich – in Weiterführung der Überlegungen von Ulrike Janz zu "zwiespältigen Ahninnen"7 – zu einer wichtigen Aufgabe und eigenem Anspruch gemacht, Biografien von Lesben mit Blick auf verschiedene gesellschaftliche Positionierungen anzuschauen und dabei gleichermaßen politisch erfreuliche wie auch politisch schwierige Aspekte sichtbar zu machen. Problematisches können und sollten wir alle nicht verschweigen, sondern uns auch diese Seiten einer Person kritisch aneignen. Nicht zuletzt sollten wir im Blick haben, dass auch heute Menschen diskriminiert werden und Gewalt erfahren - von "A" wie Antisemitismus oder "K" wie Klassismus. Wir tragen alle dafür Verantwortung, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse herrschafts- und gewaltfrei werden und ein gutes Leben für alle möglich ist.

Hier ein Beispiel von vielen aus der Geschichte von Lesben:
Eine bekannte lesbische Feministin der Alten radikalen bürgerlichen Frauenbewegung hat Folgendes geschrieben:
"Nichts ist unmöglich!", um "Freiheit, Recht und Menschenwürde zur Grundlage allen Seins zu erheben".8
Das ist eines dieser mutmachenden, großartigen politischen Lesben-Zitate, welches die Unteilbarkeit von Menschenrechten in den Mittelpunkt stellt.

Was aber, wenn diese proklamierte Freiheit, wenn Recht und wenn Menschenwürde doch teilbar sind und einer bestimmten Menschengruppe entzogen werden?
Und mehr noch: Wenn die Frau, von der dieses Zitat stammt, wenn sie selbst in einem anderen Zusammenhang sich anmaßt, einer Menschengruppe Freiheit und Menschenwürde, gar das Recht auf Leben zu entziehen – und diese Aussage, so der bislang bekannte Stand der Quellenlage, nie zurückgenommen hat?

Im Jahr 1907 äußerte sich nämlich Lida Gustava Heymann (1868-1943) inhaltlich völlig konträr zu ihrem eigenen Postulat. Jenes Zitat, das aus der Presse kolportiert wird und – so die bislang bekannten Überlieferungen – von ihr nicht dementiert wurde, möchten wir hier nicht nochmals wörtlich wiederholen; vielen Anwesenden dürfte es bekannt sein: Heymanns Aussagen sind zutiefst menschenverachtend und entmenschlichend. Sie ruft zur staatlich verbürgten Ermordung von Menschen mit Beeinträchtigungen auf. Sie formuliert, in Anbetracht der Armut von Arbeiter*innen-Kindern auf der Straße sei der (vermeintliche!) ‚Komfort' in einer "Anstalt" mit Garten völlig unangebracht.9
An diesen Aussagen gibt es nichts zu relativieren, einzuhegen, zu beschwichtigen oder zu beschönigen oder zugunsten anderer wichtig gemachter politischer Nebenschauplätze zurückzustellen; auch das beliebte Argument, zu jener Zeit hätten doch (fast) alle so gedacht, nimmt den Aussagen in keiner Weise ihre menschenverachtende Wucht: Lida Gustava Heymann hat sich mit diesen Äußerungen im Kaiserreich zu einer Art Vor-Sprecherin der zeitlich sehr viel späteren Euthanasie-Morde der Nazis gemacht, denen der Forschung zufolge ab 1939 300.000 Menschen in Europa zum Opfer fielen.10

Wie erzählen wir diese grundverschiedenen Zitate, wie machen wir sie zu einem Bestandteil ein- und derselben Biografie? Welche Schlüsse ziehen wir daraus für das Gestern, Heute und Morgen?
Das ist genau das, was in unser aller Hand liegt, während wir in dem "fahrenden Zug" sitzen. Das Zitat ist historisch, der Inhalt von Heymanns Sätzen ist es nicht. Denn: Auch heute werden gesellschaftlich Kosten-Nutzen-Kalküle formuliert.
Auch 2019 werden mit diesem alten menschenverachtenden Zitat Lesben adressiert, sind Menschen gemeint, und zwar im Heute: Die Struktur der Ungleichwertigkeit ist nicht vergangen. Lesben und bi- und heterosexuelle Menschen mit Beeinträchtigungen sind auch in unserer heutigen Gesellschaft Behindertenfeindlichkeit ausgesetzt. Sie werden oftmals systematisch ausgeschlossen und weisen eine deutlich höhere Verletzbarkeit bezogen auf Gewalt auf.

Wir alle dürfen – gerade bei den aktuellen "Schutzmacht"-Offerten von rechts an Lesben – nicht vergessen: Keine von uns ist ‚nur' Lesbe; sondern wir haben alle weitere gesellschaftliche Positionierungen wie beispielsweise Geschlecht oder Klasse. Diese komplexen Zugehörigkeiten auf- oder abzuspalten ist sozusagen das Privileg derjenigen, die beispielsweise weiß, deutsch, bürgerlich und männlich sind.

Eine kritische Auseinandersetzung zu führen, heißt sich keinem Diktum der Unthematisierbarkeit und Unbearbeitbarkeit von gesellschaftlichen Konfliktlinien und Widersprüchlichkeit zu unterwerfen.

Es gilt, dem Impuls oder Reflex zu entgehen, zu denken, etwas von damals vergessen zu können oder verteidigen zu wollen. Für den Impuls gibt es wohl unterschiedliche Motive: Ein Grund dürfte darin bestehen, liebgewonnene und geschätzte Persönlichkeiten der Geschichte nicht ‚aufgeben' zu wollen. Es geht aber gar nicht oder zumindest nicht zwingend ums ‚Aufgeben', sondern darum, diese Zwiespältigkeit nicht zu neutralisieren, nicht zu (ver-)schweigen. Es geht darum, Widersprüchlichkeit zu benennen und kritisch Position zu beziehen. Das bedeutet auch, direkt Betroffenen eine Stimme zu geben, sie also zu fragen und ihnen zuzuhören.

Darüber hinaus: Lasst uns weiter nach Lesben* in der Geschichte suchen, die auch schon damals gegen den Mainstream gedacht haben. Gerade das Erstarken politisch rechter Kräfte – nicht nur in der Bundesrepublik und in Europa – macht Gegenrede, Positionierung und Solidarität und nicht zuletzt Empathie11 von Lesben für unterschiedliche Zugehörigkeiten und Folgen notwendig. Der jüdische Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno hat 1966 formuliert: Die "einzig wahrhafte Kraft gegen das Prinzip von Auschwitz wäre Autonomie (...); die Kraft zur Reflexion, zur Selbstbestimmung, zum Nicht-Mitmachen.12
Wir beide hoffen und wünschen uns, dass uns auch die CouLe als Auszeichnung für unsere Arbeit immer wieder die Kraft zur "Reflexion", zur "Selbstbestimmung" – und zum "Nicht-Mitmachen" gibt.

Wie sieht der Alltag des Lesbengeschichtsportals aus?

Ein großer Teil unserer Arbeit für das Projekt ist von Leidenschaft für Kleinkram und damit verbundener simpler stunden- oder gar tagelanger Fleißarbeit geprägt. Dann wälzen wir unermüdlich alte Zeitungen, Akten oder Adressbücher und spüren neue – zumindest aus unserer Sicht – atemberaubende lesbengeschichtliche Funde auf. Dabei ist Quellenarbeit zu Lesbengeschichte meistens wie "Stecknadeln-im-Heuhaufen-suchen".
Für Sie und Euch abschließend zwei13 Stecknadeln. Sie heißen "Tante Piggy" und "Friseurhandwerk".

Stecknadel 1: Im Dezember letzten Jahres bekam Christiane eine E-Mail aus Hamburg von einer Frau namens Wiebke Großmann: Darin heißt es: "ich wusste schon immer, dass meine Urgroßtante wohl sehr speziell gewesen sein soll. Männerkleidung, lesbisch, Zigarren, einen Hang zum Militär und einen Beruf als Journalist/in. In der Familie hieß sie Tante Piggy'".
Die Rede ist von keiner Geringeren als Theo Anna Sprüngli.
Zur Erinnerung: Theo Anna Sprüngli hat unter dem Pseudonym "Anna Rüling" 1904 die erste uns bislang weltweit bekannte lesben-emanzipatorische Rede gehalten – und hier in Düsseldorf als Journalistin gearbeitet – sie war allerdings auch pro-kolonialistisch aktiv.14
Sprünglis Urgroßnichte Wiebke Großmann schrieb weiter: "Ich selber lebe ebenfalls mit einer Frau zusammen und vielleicht ist meine Neugier dadurch noch etwas größer."
Aus dieser Kontaktaufnahme ist ein reger Mailwechsel entstanden und bald können auf dem Lesbengeschichtsportal neue Fotos von Theo Anna Sprüngli aus Familienbesitz gezeigt und angeschaut werden.

Die Stecknadel Nummer 2 – "Friseurhandwerk" – hat Ingeborg kürzlich im riesigen Heuhaufen historischer Zeitungen gefunden. Diese Stecknadel ist ein gutes Beispiel dafür, dass Lesben sich gleichsam überall Räume geschaffen haben. Martha Vicinus, US-amerikanische Frauen- und Lesbengeschichtsforscherin und Professorin an der University of Michigan, hat das einmal sehr schön formuliert: "Lesbisches Begehren ist überall, selbst wenn nirgendwo sichtbar wird".15
In einem Artikel über das Friseurgewerbe aus dem Jahr 1914 steht diese eine Information: "In Berlin habe eine polizeiliche Ermittlung ergeben, daß ein Damenfriseurladen als Deckmantel für lesbische Liebeszusammenkünfte diente".16

Frisörinnen – Lesben – Polizei: wir sind dran an der Geschichte!

Vielen Dank für den wunderbaren Preis und Ihre und Eure Aufmerksamkeit!

Düsseldorf, den 18. Mai 2019

1 Zur Jury gehören: Gabriele Bischoff, Dr. Ann Marie Krewer, Antje-Marie Kühn, Inge Landmann, Dorothee Mülder, Dr. Ute Zimmermann - aus diesem Kreis wurde auch die Preisverleihung vorbereitet https://couragierte-lesben-preis.nrw/, www.lesben-nrw.de.

2 Zu unserem Selbstverständnis an der Schnittstelle von Forschung, Politischer Bildung und Erinnerungskultur vgl. Leidinger, Christiane/Boxhammer, Ingeborg: "Lesbian like" Geschichte - Vom Wettstreit richtiger Bezeichnungen, Verdächtigungen, Lesbensex und einer Vermisstenanzeige. In: AutorInnenkollektiv Loukanikos (Hrsg.): History is unwritten. Linke Geschichtspolitik und kritische Wissenschaft. Münster: edition assemblage 2015, S. 144-159.

3 Vgl. z.B. Maskos, Rebecca (2015): Ableism und das Ideal des autonomen Fähig-Seins in der kapitalistischen Gesellschaft. Zeitschrift für Inklusion. Juni 2015. Online: http://www.inklusion-online.net/. Zinsmeister, Julia (2017): Diskriminierung von körperlich und geistig Beeinträchtigten. In: Scherr, Albert/ El-Mafaalani, Aladin/Yüksel, Gökçen (Hrsg.): Handbuch Diskriminierung. Wiesbaden: Springer VS, S. 593-612.

4 Leidinger, Christiane: Überlegungen für eine kritische Erinnerungskultur. In: Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft 61_62/2018, S. 8-20.

5 Zinn, Howard (1990 [1970]): The Politics of History. Boston: Beacon Press. - Howard Zinn formuliert es so: "Historical writing always has some effect on us. It may reininforce our passivity; it may activate us. In any case, the historian cannot choose to be neutral; he writes on a moving train." (Zinn 1990 [1970]: 35; vgl. S. 1; 3; 29)

6 Howard Zinn schreibt: "There are two ways in which history has a ‚meaning'. The actual past has affected the present situation in which we find ourselves; this kind of meaning is out of our hands - it has already determined. But also, our recapitulation of the past affects what we do about this situation; this is in our hands […] I can choose, by the way I tell the story, to make World War I seem a glorious battle between good and evil, or I can make it seem a senseless massacre." (Zinn 1990 [1970]: 275)

7 Janz, Ulrike: (K)eine von uns? Vom schwierigen Umgang mit ‚zwiespältigen Ahninnen'. Bochum 1991 [online] Availiable from: Online-Projekt Lesbengeschichte. Boxhammer, Ingeborg/Leidinger, Christiane. URL: http://www.lesbengeschichte.org/ns_essays_d.html. Also available in print version: Janz, Ulrike: (K)eine von uns? Vom schwierigen Umgang mit ‚zwiespältigen Ahninnen'. In: IHRSINN. eine radikalfeministische Lesbenzeitschrift 3/1991, S. 24-39. Janz, Ulrike: Reflexionen zum "negativen lesbischen Eigentum". Bochum 1994 [online] Availiable from: Online-Projekt Lesbengeschichte. Boxhammer, Ingeborg/Leidinger, Christiane. URL: http://www.lesbengeschichte.org/ns_essays_d.html. Also available in print version: Janz, Ulrike: Reflexionen zum "negativen lesbischen Eigentum". In: IHRSINN. eine radikalfeministische Lesbenzeitschrift 10/1994, S. 70-79.

8 Lida Gustava Heymann (1941?) zit.n. Hoffkamp, Sabine: Lida Gustava Heymann. Deutsches Digitales Frauenarchiv. https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/lida-gustava-heymann#footnote1_9k30w8y. Vgl. Heymann, Lida Gustava (in Zusammenarbeit mit Dr. jur. Anita Augspurg) (1992 [1941; 1972]): Erlebtes - Erschautes. Deutsche Frauen kämpfen für Freiheit, Recht und Frieden 1850-1940. Hrsg. v. Margrit Twellmann. Frankfurt/M., S. 327.

9 Vgl. Lida Gustava Heymann 1907 n. Wawrzyn, Heidemarie (2000): Als die "Mütter der Nation" Abschied nahmen von den Menschenrechten: Über Antisemitismus in den bürgerlichen Frauenbewegungen 1865-1918. In: Planert, Ute (Hrsg.): Nation, Politik und Geschlecht. Frauenbewegungen und Nationalismus in der Moderne. Frankfurt/M./New York: Campus, S. 182-197, hier S. 187. Quellen: Lida Gustava Heymann 1907 n. (indirektes Zitat) o.A./Deutsche Tageszeitung: Kochtopf und Frauenstimmrecht. In: Deutsche Tageszeitung, Nr. 460, 1.10.1907. Lida Gustava Heymann 1907 n. (indirektes Zitat) o.A. Verband fortschrittlicher Frauenvereine. 28.9. In: Frankfurter Zeitung 28.9.1907; Lida Gustava Heymann 1907 n. Frankfurter Zeitung o.A.: Eine frauenrechtlerische Extravaganz. In: Hamburger Echo 234/1907 (7.10.1907?). Vgl. o.A.: Eindrücke von der Frankfurter Tagung. In: Die Frauenbewegung Nr. 20/1907, 15.10.1907; o.A.: Stimmen der Presse über die Frankfurter Tagung. In: Die Frauenbewegung 15.11.1907; o.A.: Der Verein für Frauenstimmrecht. In: Bonner Zeitung 29.9.1907. Die Aussage wurde mit sehr großer Wahrscheinlich im Kontext der 4. Generalversammlung des "Verbandes fortschrittlicher Frauenvereine", "Behandlung des Bevölkerungsproblems" getroffen, vgl. Die Frauenbewegung Nr. 20/1907 (15.10.1907).

10 "Allerdings liegen verlässliche Zahlen insbesondere für Osteuropa noch nicht vor." Stiftung Denkmal Online: https://www.stiftung-denkmal.de/denkmaeler/gedenk-und-informationsort-fuer-die-opfer-der-ns-euthanasie-morde.html.

11 Den Aspekt der Empathie macht eine lateinamerikanische lesbisch-feministische Aktivistin stark, die über die Wirkung der politischen Aktionen der Gruppe Rote Zora zu Zwangssterilisierungen von Frauen im globalen Süden spricht. Vgl. Frauen bildet Banden. Eine Spurensuche zur Geschichte Roten Zora. Eine Dokumentation von las otras. FrauenLesbenFilmCollectif Berlin (BRD 2019, 77min).

12 Adorno, Theodor W. (2012 [1966]): Erziehung nach Auschwitz. In: Bauer, Ullrich/Bittlingmayer, Uwe H./Scherr, Albert (Hrsg.): Handbuch Bildungs- und Erziehungssoziologie. Wiesbaden: VS Springer, S.125-135, hier S. 128.

13 Die 3. Stecknadel, nur online: Forschungssplitter: Widerständigkeit eines Münchener Lesbenpaars im NS-Lageralltag. Während des NS gelang es zwei Lesben aus München, die im KZ Moringen interniert waren, ein kleines Kämmerchen als Nachtquartier zu nutzen. Sie gehörten zu einer Gruppe inhaftierter Frauen - möglicherweise ausschließlich Kommunistinnen. Unter ihnen war die kommunistische Widerstandskämpferin und spätere Friedensaktivistin Hedwig Regnart (1908-2001). Hed Regnart erzählt Frauen aus der linken Nürnberger Courage-Gruppe in einer Dokumentation ihre Geschichte. In ihrem Bericht über die Situation im KZ Moringen, wo sie ab 1.3.1936 fast ein Jahr interniert war, erwähnt sie kurz das Lesbenpaar (ab 17:49min./ 21min). Quelle: Frauenverband Courage (1998): "Schwestern, vergeßt uns nicht...". Erarbeitet von Freundinnen und Freunden der Courage Gruppe Nürnberg" (BRD 1998, 34:06min).
In der Dokumentation erzählen die kommunistischen Widerstandskämpferinnen Hed Regnart und Hilde Gerber, späterer verheiratete Faul (1915-mind. 1995). Den Hinweis auf die Erzählung der Überlebenden Hedwig Regnart bekamen wir freundlicherweise von Dr. Henning Fischer (kollektivbiographische Studie zur Lagergemeinschaft Ravensbrück) im Rahmen unseres kleinen Forschungsprojekts zu Lotte Hahm (1890-1967).
Herzlicher Dank!
Weitere Informationen:
https://www.goettinger-tageblatt.de/Die-Region/Northeim/Bilder-von-frueheren-Moringer-KZ-Gefangenen-werden-ausgestellt.

14 Zu Sprüngli: http://lesbengeschichte.org/bio_rueling_d.html. Beiträge mit neuen Erkenntnissen zu Sprüngli/Rüling: Leidinger, Christiane: Theo-Anna Sprüngli (1880-1953), besser bekannt als "Anna Rüling". Online: http://www.lsbttiq-bw.de/2016/12/16/theo-anna-spruengli-1880-1953-besser-bekannt-als-anna-rueling-beruehmte-berliner-rednerin-kulturjournalistin-ulmer-schauspielleiterin-und-theaterdramaturgin/ Leidinger, Christiane: Zur Politik der Platzbenennung - Überlegungen für eine Geschichtspolitik und historische Erinnerungskultur als gegenhegemoniale Wissensbildung entlang von Intersektionalität(-sbewusstsein), Empowerment und Powersharing. In: Invertito. Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten, 17. Jahrgang 2015. Hamburg: Männerschwarm 2016, S. 9-47, hier insb. S. 24-28.

15 Im Original: "Lesbian desire is everywhere, even as it may be nowhere." Vicinus, Martha (1992): '"They Wonder to Which Sex I Belong': The Historical Roots o f the Modern Lesbian Identity". In: Feminist Studies 18/1992, S. 467-497, hier S. 468.

16 O.A.: 16. Deutscher Handwerks- und Gewerbekammertag, II. In: Berliner Volks-Zeitung, 30.7.1914, S. 2.



Forschungsprojekt von Lesbengeschichte.org


(Bonn/Berlin/Düsseldorf: 10-12/2018)


"Neue Spuren zu Leben und Wirken der Berliner Subkultur-Aktivistin* Lotte Hahm (1880-1967) und ihres persönlichen Umfelds"



Kurzzusammenfassung


Ausgangspunkt des historisch-biographischen Forschungsprojektes war der öffentliche Vorschlag, Lotte Hahm (1890-1967) als bedeutende Persönlichkeit im Berliner Stadtbild zu würdigen. Die gebürtige Dresdnerin* gehört zu den schillernsten Figuren der lesbisch-schwul-trans*-Subkultur der Weimarer Republik. Sie trug maßgeblich zur kollektiven Selbstorganisierung, Emanzipation und Antidiskriminierung insbesondere von Lesben und "Transvestiten" bei. Die Gedenktafel-Kommissionen der Bezirke benötigen historische Informationen, um sich mit unterschiedlichen Aspekten (insbesondere Verfolgung und/oder Täter*innenschaft) einer Biographie kritisch auseinandersetzen zu können. Vor diesem Hintergrund ging das Projekt neben der Recherche lebensgeschichtlicher Eckdaten zu Lotte Hahm (u.a. berufliche Tätigkeiten, persönliches Umfeld), gezielt Informationen von Zeitzeuginnen aus den 1980er Jahren sowie aus NS-Vernehmungsakten nach: zu einer etwaigen KZ-Internierung sowie Gefängnishaft und darüber hinaus zum Aufbau eines geheimen subkulturellen Ortes an der Ostsee. Für die Projektbearbeitung wurden im Kern einerseits subkulturelle Zeitschriften der 1920er Jahre ausgewertet und andererseits zahlreiche Archivanfragen gestellt sowie in staatlichen und freien Archiven Quellenbestände unterschiedlicher Provenienz in verschiedenen Teilen der Bundesrepublik und in Polen gesichtet und ausgewertet.

Abstract
Lotte Hahm (1890-1967, Dresden) was one of the leading figures in the development of a Berlin subculture by and for lesbians, so-called 'transvestites' and others who did not conform to societal norms of binary gender and heterosexuality in Weimar Germany. The project addresses neglected aspects of her life and work.

Projektziel
Das Forschungsprojekt zielt auf eine historisch-biographische Rekonstruktion. Dabei wird besonderer Wert auf eine intersektionale Betrachtung und kritische Analyse der Lebens- und Wirkungsgeschichte von Lotte Hahm sowie ihres persönlichen und beruflichen Umfelds gelegt.

Projektbeteiligte
Ingeborg Boxhammer, M.A., freischaffende Historikerin, Bonn
Christiane Leidinger, Politik- und Sozialwissenschaftlerin, Professur für Soziologie mit besonderem Schwerpunkt Geschlechtersoziologie, Hochschule Düsseldorf

Kooperationspartnerinnen
Prof. Dr. Gabriele Dennert, FH Dortmund, FB Angewandte Sozialwissenschaften Wissenschaftliche Projektleitung: LSBTI2-Wissensportal

Prof. Dr. Heike Radvan, BTU Cottbus-Senftenberg, Fakultät 4, FB Soziale Arbeit Wissenschaftliche Projektleitung: LSBT-Ausstellungsprojekte zu Brandenburg und zu Mecklenburg-Vorpommern

LOLA für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern e.V./Amadeu Antonio Stiftung, LSBT-Ausstellungsprojekte zu Brandenburg und zu Mecklenburg-Vorpommern

Förderung und Laufzeit
Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung: "Mikroprojekte zur Geschichte von LSBTI" (10-12/2018)
Das Projekt war angesiedelt am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Düsseldorf, Professur für Soziologie mit besonderem Schwerpunkt Geschlechtersoziologie (Christiane Leidinger).

Projektbezogene Veröffentlichungen


Postkarte für die Hahm-Veranstaltung


Boxhammer, Ingeborg/Leidinger, Christiane: Die Subkulturaktivistin* Lotte Hahm (1890-1967) – Leben, Wirken und Umfeld (Aufsatz in Arbeit).

Boxhammer, Ingeborg/Leidinger, Christiane: Szenegröße und Aktivistin Lotte Hahm 23.05.1890-17.08.1967.In: LOLA für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Wir* hier! Lesbisch, schwul und trans* zwischen Hiddensee und Ludwigslust. Ein Lesebuch. Berlin (i.E.).

Boxhammer, Ingeborg/Leidinger, Christiane: It-Girls der 20er Jahre. Lotte Hahm (1890-1967) und Käthe Fleischmann (1899-1967) betrieben Lesbenbars, initiierten Vereine und brachten Lesben und "Transvestiten" zusammen. In: L.Mag. Das Magazin für Lesben, März/April 2019, S. 44f.




#4genderstudies
Das Portal Lesbengeschichte.org zu den anhaltenden Angriffen gegen Geschlechterforscher*innen und Geschlechterforschung - Statement zum 18. Dezember 2017


Lesben* in Geschichte einschreiben und sichtbar machen

Frauen- und Geschlechterforschung, Gender Studies, feministische und queer-feministische Wissenschaft heißt für die Herausgeberinnen des mehrsprachigen Portals Lesbengeschichte.org zuallererst, Lesben in die Geschichte einzuschreiben und sichtbar zu machen:

- durch die Erarbeitung und Präsentation von Biografien lesbischer oder "lesbian-like" (Judith M. Bennett (1)) Subjekte;
- durch die Auseinandersetzung mit der individuellen wie kollektiven Geschichte der Pathologisierung, Diskriminierung, Gewalt und Verfolgung von Lesben* (2);
- durch die Beschäftigung mit der Geschichte von Emanzipation, Formen von Widerständigkeit, Protest, Solidarität und Widerstand von Lesben - individuell und kollektiv.
- durch die kritische Auseinandersetzung mit historischen Konstruktionen von Heterosexualität als herrschende Norm und in diesem Zusammenhang von Lesben als deren Abweichung

(Bewegungs-)Geschichte von Lesben* ist integraler Bestandteil der Staats- und Gesellschaftsgeschichte. Als solche muss sie rekonstruiert, sichtbar gemacht und vermittelt werden, um der Ent-Historisierung lesbischer Existenzen und Aktivitäten entgegenzuwirken(3). Dazu korrespondieren und kooperieren wir mit verschiedenen Einrichtungen und engagierten Einzelpersonen innerhalb und außerhalb der Institution Hochschule, mit Journalist*innen und Wissenschaftler*innen aus dem In- und Ausland. Das Lesbengeschichtsportal ist an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politischer sowie kultureller Bildung angesiedelt und begreift sich als virtueller Ort des Wissenstransfers.

Kritik an Angriffen gegen Wissenschaftler*innen und für intersektionalen (Queer-)Feminismus

Wir kritisieren die medialen Angriffe gegen Geschlechterforschung/Gender Studies und die teils sogar gewaltförmigen Attacken gegen konkrete Wissenschaftler*innen vonseiten des bürgerlichen Feuilleton sowie durch rechtspopulistische und extrem rechte Stimmen. Wir verwahren uns auch gegen Versuche, verschiedene Strömungen und Ansätze von Geschlechterforschung medial gegeneinander auszuspielen, und solidarisieren uns mit betroffenen Kolleg*innen sowie mit (queer-)feministischen Aktivist*innen, die von Angriffen betroffen waren und sind.

Das Portal Lesbengeschichte.org steht für einen macht- und herrschaftskritischen (Queer-)Feminismus, der auch Mehrfachdiskriminierung und Intersektionen zentral in den Blick zu nehmen versucht. Das bedeutet konkret, zu kritisierende und abzulehnende Seiten in Biografien von Lesben* in der Geschichte sichtbar zu machen und die Lebensläufe zeitgeschichtlich kritisch zu verorten.

Ein Statement der weißen, offen lesbisch lebenden Autorin, Sozialdemokratin sowie Frauenrechtlerin und Aktivistin Johanna Elberskirchen (1864-1943) in der Zeitschrift "Frauenstimmrecht" (1913) lässt sich auch als früher intersektionaler Feminismus verstehen. Sie schrieb: "Der reine Feminismus ist nolens volens radikal. Notwendig schließt er (...) Mäßigung, Beschränkung, Halbheit aus. Feministisch sein heißt keineswegs un à tout prix ein Recht für eine kleine Anzahl Frauen auf Kosten der anderen Frauen ergattern zu wollen - feministisch sein, das heißt immer nur für Gesamt-Befreiung des gesamten weiblichen Geschlechts kämpfen."

Auch heute muss sich (queer-)feministische Theorie und Praxis gegen sämtliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse, gegen Ableism, Antisemitismus, Heteronormativität, Heterosexismus, Klassismus, Rassismus, Sexismus sowie Trans*feindlichkeit wenden - und sich gegen rechtspopulistische und rechtsextreme Strömungen positionieren. Es gilt, gesellschaftliche Verhältnisse und aus ihnen erwachsene Diskriminierung und Gewalt kritisch wissenschaftlich zu analysieren, die Erkenntnisse zu diskutieren und in der Hochschullehre sowie in der Politischen und beruflichen Bildung zu vermitteln.

Antifeminismus ist historisch keineswegs neu

Antifeminismus ist kein neues Phänomen. Er ist so alt wie der Feminismus selbst.

Viele der auf dem Lesbengeschichtsportal porträtierten Frauen* mussten um 1900 gegen persönliche Angriffe von antifeministischen Männern und Frauen kämpfen und ihr Denken, Schreiben und Engagement gegen diese verteidigen. Sie intervenierten auch aktiv in die zeitgenössischen antifeministischen und misogynen Diskurse, die Frauen beispielsweise ein Recht auf Bildung absprachen. So griff Johanna Elberskirchen mit ihrem Text "Feminismus und Wissenschaft" in die Debatte aus einer frauenbewegten und wissenschaftlichen Perspektive ein und resümierte in aller Deutlichkeit:

"Ich hätte auch schreiben können, Feminismus und Schwachsinn, denn die Kritik, die im Namen der Wissenschaft am Feminismus verbrochen wird, hat oft mit Wissenschaft wenig zu tun."
Dieses Zitat aus ihrem seit 1903 mehrfach aufgelegten Text war eine Replik gegen die viel gelesene frauenverachtende Schrift "Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes", die der Neurologe und Psychiater Paul Julius Möbius (1853-1907) im Jahr 1900 veröffentlicht hatte.

Das absichtsvolle Missverstehen feministischer Ausführungen und die Skurrilität und Absurdität antifeministischer Anwürfe brachte die heterosexuell lebende Feministin Hedwig Dohm (1831-1919) bereits vor 115 Jahren mit folgenden Worten ironisch auf den Punkt: "Bei solchen Auslassungen fasse ich immer an meinen Kopf und frage: Bin ich verru?ckt oder ..."
(Volltext "Die Antifeministen" von Hedwig Dohm 1902 open access: http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-antifeministen-4774/1)

"Revolutionierung der Geister" – wider die Selbstverständlichkeiten und für emanzipatorische Gesellschaftsveränderungen

Anderenorts schrieb Dohm vor 100 Jahren (1917) mit kämpferischer Weitsicht:
"Glaube nicht, es muß so sein, weil es so ist und immer so war. Unmöglichkeiten sind Ausflüchte anemisch (sic) steriler Gehirne. Schaffen wir Möglichkeiten! Alle geistig-seelischen Schätze, die ungehoben in Menschenbrust ruhen, sie seien wachgerufen! Ein großes Wecken, eine Revolutionierung der Geister."
(Volltext "Der Mißbrauch des Todes" von Hedwig Dohm 1917 open access: http://gutenberg.spiegel.de/buch/der-missbrauch-des-todes-4769/1)

Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen - und dazu gehört zum Beispiel auch die kritische Auseinandersetzung mit Alltagsvorstellungen, wie etwa der von der Natur der Zweigeschlechtlichkeit - ist ein zentrales Grundprinzip wissenschaftlichen Arbeitens. Wissenschaft ist ein Ort möglicher Gesellschaftsveränderung; dies teilen wir in emanzipativer Absicht. Wir denken, schreiben und redigieren (Texte von anderen Autor*innen) aus einer macht- und herrschaftskritischen Perspektive und verknüpfen Archiv- und andere Recherchearbeit zur Rekonstruktion von Lesben*geschichte mit Analyse und Kritik.

Diese Stellungnahme ist Teil der bundesweiten konzertierten Aktion am 18. Dezember.

Ingeborg Boxhammer und Christiane Leidinger (Berlin/Bonn/Düsseldorf) im Dezember 2017


(1) Vgl. Bennett, Judith M.: "Lesbian-Like" and the Social History of Lesbianisms. In: Journal of the History of Sexuality 9/2000, S. 1-24.

(2) Die Schreibweise "Lesbe*" verweist auf eine Kritik an der Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit und dem Denken in Geschlechter-Binaritäten: Lesben können und konnten sich auch historisch beispielweise als Trans* oder Inter* verstehen.

(3) Vgl. ausführlich: Leidinger, Christiane/Boxhammer, Ingeborg: "Lesbian like" Geschichte - Vom Wettstreit richtiger Bezeichnungen, Verdächtigungen, Lesbensex und einer Vermisstenanzeige. In: AutorInnenkollektiv Loukanikos (Hrsg.): History is unwritten. Linke Geschichtspolitik und kritische Wissenschaft. Münster: edition assemblage 2015, S. 144-159.

Statement als pdf: pdf






Günter Grau und Kirsten Plötz haben im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz geforscht und ihre Studien nun veröffentlicht.

Der Forschungsbericht zur Aufarbeitung der strafrechtlichen Verfolgung und Rehabilitation homosexueller Menschen (in Kurz- und Langfassung)ist hier frei zugänglich: https://mffjiv.rlp.de/de/themen/vielfalt/rheinland-pfalz-unterm-regenbogen/materialienmedien/.



_Offener Brief an die Redaktion von invertito, Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten sowie an den publizierenden Verlag Männerschwarm (27.10.2013) und Antworten des Verlags (7.11.2013) und von der Redaktion (6.11.2014).

Die Antwort des Verlags und die der Redaktion sowie die des Autors wird veröffentlicht in: Invertito. Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten, 16. Jg. 2014 (erscheint Hamburg: Männerschwarm 2015).


Offener Brief als pdf: pdf

Per E-Mail an:
Redaktion invertito
cc Männerschwarm Verlag

Offener Leser_innenbrief 27.10.2013
betr. Beitrag: Jan-André Jodjohn: Die Gemeinschaft der Eigenen und die Männer- und Frauenemanzipation. Zu Ideen und Motiven einer Zusammenarbeit zwischen Männerbund und Frauenbewegung, In: Invertito. Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten. 14. Jahrgang 2012, Hamburg: Männerschwarm, S. 64-101, hier S. 71f., insb. Fußnote 24. ISBN: 978-3-86300-137-7

Liebe Redakteur_innen von invertito,

mit politischer Verärgerung haben wir folgende Passage im Beitrag von Jan-André Jodjohn zur Kenntnis genommen:
„Sie (die Gemeinschaft der Eigenen – G.D.E.) betätigt sich als Vorkämpferin für intime Beziehungen zwischen selbstbestimmten, maskulin konstituierten, möglichst kulturell gebildeten und nicht zuletzt ästhetisch schönen Männern und insbesondere zwischen Männern und pubertierenden Jungen.“ FN 24

FN 24 „(...) Zu den pubertierenden Jungen: Es ist allein schon deshalb nicht verwunderlich, dass diese im Fokus der G.D.E. standen, da die Pubertät auch als Phase der Bisexualität angesehen werden kann. Die G.D.E. kann man daher zu Recht auch als Organisation von Ephebophilen (= Jünglingsliebhabern) bzw. Päderasten oder nach heutigem Sprachgebrauch als Zusammenschluss von Boylovern bezeichnen. Auch wenn die begehrten Jugendlichen (im Falle der G.D.E. mindestens pubertierende Jungen) längst eigenständig entscheiden können, ist das Thema weiterhin nicht unproblematisch und unumstritten (sic) – die Mehrheitsgesellschaft lehnt es trotz aller anderslautenden Erkenntnisse für unter 15/16-Jährige in der Regel ab, zwischen freiwilligen und unfreiwilligen Liebes- und Sexualkontakten zu differenzieren – und hätte daher eine eigene Abhandlung verdient.“

Mit den hier vorgenommenen Behauptungen von Selbstbestimmung und Entscheidungsfähigkeit sowie von „intimen Beziehungen“ zwischen männlichen Kindern bzw. männlichen Jugendlichen und erwachsenen Männern werden Machtverhältnisse und/oder Erfahrungsgefälle zwischen Menschen ungleichen Alters ausgeblendet. Die potentielle Gewaltförmigkeit und das Ausbeutungsverhältnis in derartigen sexuellen Kontakten werden verschleiert.

Vielleicht lässt sich darüber streiten, ob unter dem Aspekt der Meinungsfreiheit ein Beitrag mit einer solch unkritischen Behauptung in eine Zeitschrift oder ein Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten gehört. Es war eine Entscheidung der Redaktion, eine solche mit etlichen unbewiesenen Behauptungen versehene Passage, mit der gerade auch schwule Männer mit sexualisierten Gewalterfahrungen durch erwachsene Männer in Kindheit und Jugend ein weiteres Mal alleine gelassen und ihre Erfahrungen marginalisiert werden, unkommentiert zu veröffentlichen. Des Weiteren handelt es sich um eine redaktionelle Entscheidung, den Autor nicht dazu aufzufordern, wissenschaftliche valide Belege für die behaupteten „anderslautenden Erkenntnisse“ anzuführen.

Wir lehnen als Autor_innen und/oder auch im Anti-Gewaltbereich Tätige diese Art der verharmlosenden Darstellung und die dort geäußerten Behauptungen ab!

Wir fordern die Redaktion und den Autor zu schriftlichen Stellungnahmen auf, die ebenso wie dieser Brief in der nächsten Ausgabe von invertito abgedruckt werden.

Insbesondere möchten wir wissenschaftlich valide Belege für die hier vorgebrachten Behauptungen.

Als kritische Literatur zum Thema verweisen wir z.B. auf die folgenden Texte und möchten insbesondere auf die Publikation der Schwulengruppe S.A.M.T aus dem Jahr 1996 hinweisen:

- Egle, U.T., Hoffmann, S.O., Joraschky, P. (2005). Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung. Schattauer. Stuttgart.
- Fischer, G., Riedesser, P. (2009). Lehrbuch der Psychotraumatologie. Reinhardt. München, Basel.
- Hoch-Espada, A., Ryan, E., Deblinger, E. (2006). Child Sexual Abuse. In: Fisher, J., O’Donohue, W. (eds). Practioner’s Guide to Evidence-Based Psychotherapy. Springer. USA. 177-188.
- S.A.M.T. – radikale Schwulengruppe (1996): Pädophilie. Sexualisierte Gewalt gegen Kinder. Eine Broschüre mit dem Schwerpunkt sexualisierte Gewalt gegen Jungen. Bremen.

Mit freundlichen Grüßen

Ingeborg Boxhammer, M.A., Autorin und Redakteurin Portal lesbengeschichte.de, Bonn
Dr. Gabriele Dennert, Ärztin/Gesundheitswissenschaftlerin und Autorin, Berlin/Dortmund
Dr. Christiane Leidinger, Politikwissenschaftlerin und Autorin, Berlin
Stefanie Soine, Dipl.-Soziologin, Autorin und Beraterin im Anti-Gewaltbereich, Berlin
Dr. Gisela Wolf, Psychologische Psychotherapeutin und Autorin, Berlin

Kontakt: info(at)lesbengeschichte.de

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_Öffentliche Antwort des Männerschwarm Verlags auf den o.g. offenen Brief

Liebe kritische Leserinnen,

auch wenn im Fall von Invertito der Fachverband Homosexualität und Geschichte als Herausgeber für den Inhalt der Beiträge zuständig ist, fühlen auch wir als Verlag und für die bei uns veröffentlichten Bücher verantwortlich.

Ihr schreibt: "Mit den hier vorgenommenen Behauptungen von Selbstbestimmung und Entscheidungsfähigkeit sowie von "intimen Beziehungen" zwischen männlichen Kindern bzw. männlichen Jugendlichen und erwachsenen Männern werden Machtverhältnisse und/oder Erfahrungsgefälle zwischen Menschen ungleichen Alters ausgeblendet."

Wenn ich euren Brief richtig verstehe, ist es nicht Jojohns Untersuchung als solche, an der ihr Anstoß nehmt, sondern eine Fußnote, in der intergenerationelle Intimbeziehungen als "nicht unproblematisch" bezeichnet werden:

"Auch wenn die begehrten Jugendlichen (im Falle der G.D.E. mindestens pubertierende Jungen) längst eigenständig entscheiden können, ist das Thema weiterhin nicht unproblematisch und unumstritten (sic) – die Mehrheitsgesellschaft lehnt es trotz aller anderslautenden Erkenntnisse für unter 15/16-Jährige in der Regel ab, zwischen freiwilligen und unfreiwilligen Liebes- und Sexualkontakten zu differenzieren – und hätte daher eine eigene Abhandlung verdient."

Jodjohn schreibt nicht über "Kinder bzw. männliche Jugendliche", wie ihr behauptet, sondern über pubertierende männliche Jugendliche. Leider sind Befragungen von Jugendlichen, die an intergenerationellen Liebesbeziehungen beteiligt sind, derzeit aus forschungsethischen Gründen untersagt, sodass aus wissenschaftlicher Sicht keine Aussagen zur Möglichkeit einvernehmlicher Handlungen getroffen werden können. Ich kann den Text der Fußnote nur so verstehen, dass Jodjohn explizit einräumt, dass die Frage der eigenständigen Entscheidung Jugendlicher "umstritten" sei; er wünscht sich die gleiche Unvoreingenommenheit von der Mehrheitsgesellschaft.

Wir sehen im Sinne von Artikel 5 des Grundgesetzes unsere Aufgabe als Verlag darin, Denkverboten jeder Art entgegenzutreten. Wer gegen Heuchelei und Missbrauch antritt, sollte mit eigenen Vorurteilen und Denkverboten selbstkritisch umgehen. Eine offene Frage als offene Frage zu bezeichnen ist die einer akademischen Abhandlung angemessene Herangehensweise.

Ich würde mich freuen, wenn es mir gelungen sein sollte, eure Einwände gegen Jodjohns Artikel zu entkräften. Man kann m.E. die Rede vom "pädagogischen Eros" und die Praxis einiger Homosexuellenzirkel der vorigen Jahrhundertwende durchaus als heuchlerisch uns selbstsüchtig bezeichnen (wie in unserem Verlag z.B. Marita Keilson-Lauritz in ihrem Sammelband "Kentaurenliebe"), ohne die heutige wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema mit der dicken Keule des Missbrauchsverdachts zu bedrohen.

Viele Grüße
Joachim Bartholomae


Männerschwarm Verlag
D – 20099 Hamburg -- Lange Reihe 102
Telefon: 040 430 26 50
www.maennerschwarm.de

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_Stellungnahme der Invertito-Redaktion zum offenen Brief von Frauen aus dem Umfeld von Lesbengeschichte.de zum Artikel von J. Jodjohn in Invertito 14

Liebe Leserinnen,

auch wir halten die beiden kritisierten Formulierungen im letzten Satz der Fußnote für problematisch bzw. falsch. Allerdings war es keine bewusste Entscheidung der Redaktion, diesen Satz mit diesen Aussagen derart oder unkommentiert zu publizieren, wie uns vorgeworfen wird. Sondern wir haben die Aussage des Satzes, der durch eine Überarbeitung des ursprünglich eingereichten Beitrages in den Text gekommen ist, übersehen.
Dies ist ein unakzeptables Versäumnis, da wir ja bemüht sind, die Beiträge kritisch zu begleiten. Dies hätte für diesen Satz in der Tat geheißen, ihn ersatzlos zu streichen, da er ja für den Textzusammenhang irrelevant ist, oder die getroffenen Behauptungen ("längst eigenständig entscheiden können", "trotz aller anderslautenden Erkenntnisse") zumindest zu relativieren und zu belegen. Wir bedauern, dass wir dies nicht getan haben. Auch wir möchten Menschen mit Erfahrungen sexualisierter Gewalt nicht alleine lassen, wie uns unterstellt wird.

Wir möchten folgenden Absatz in das Editorial von Invertito 16 schreiben:

"Frauen aus dem Umfeld von Lesbengeschichte.de haben mit Recht Formulierungen zur Darstellung von pädophilem Begehren bzw. sexualisierter Gewalt in einer Fußnote in einem Artikel in Invertito 14 kritisiert. Der offene Brief, die Antworten des Verlages und der Redaktion finden sich auf:
http://www.lesbengeschichte.de/aktuelles_d.html"

Wir hoffen, dass ihr mit diesem Vorgehen einverstanden seid.

Die Redaktion von Invertito




2. Informationen zu den Autorinnen und Übersetzerinnen


Ältere Informationen siehe unter Archiv



Open access-Volltexte zu weiblicher und männlicher Homosexualität – Zusammengestellt von Erwin In het Panhuis



Durch die Digitalisierung von alten und damit urheberrechtsfreien Büchern und Zeitschriften sind, von der lesbischen und schwulen Geschichtswissenschaft weitgehend unbeachtet, auch unzählige neue lesbische Quellen zur schwulen Geschichte zugänglich geworden. In einer neuen und kostenlosen Online-Bibliographie sind nun rund 4.200 Buch- und Zeitschriftenbeiträge über männliche und weibliche Homosexualität unter http://www.erwin-in-het-panhuis.de/online-bibliographie-zur-homosexualit%C3%A4t/ zusammengeführt.

Die Verlinkungen führen mit einem Klick zu den Scans der jeweiligen Originale. Die so verlinkten Beiträge enthalten viele bekannte und unbekannte schwul-lesbische Geschichten. So findet man hier nicht nur die homopolitischen Emanzipationsschriften von Karl Heinrich Ulrichs ab 1864 und von Johanna Elberskirchen im Volltext, sondern auch einen Steckbrief der Stadt Frankfurt, die Ulrichs 1863 wegen widernatürlicher Unzucht zur Fahndung ausschrieb. Was sagte August Bebel im Reichstag 1898 zur Homosexualität und wie wurde lesbisches Leben vor mehr als 100 Jahren beschrieben? Die entsprechenden Dokumente sind nun als Scans des jeweiligen Originals kostenlos abrufbar.




Anforschungsbericht


Ingeborg Boxhammer: Anforschungsergebnisse zur (straf)rechtlichen Verfolgung lesbischer, bisexueller und/oder trans* Frauen nach 1945


Dieser Anforschungsbericht vom März 2014 entstand m Auftrag der ARCUS-Stiftung für das Referat "Politik für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle (LSBTTI)" im Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW (MGEPA). Langfristig geplant ist, den Bericht in einen Aufsatz umzuarbeiten.

Hier steht die Rohfassung zum Download bereit. Anforschungsbericht





CHICAGO, August 2014


Ingeborg Boxhammer: "Lesbian-like" Women in Germany in the late 1800s to WWII – for example the Suffragists Margarete Herz (1872-1947) and Helene Wolff (1871-1917)




Lecture at the Center on Halsted in Chicago, August 28, 2014
Video by Tracy Baim, Windy City Times




Ingeborg Boxhammer hat im August 2014 ihre Forschung zum frauen- und reformbewegten Dentistinnenpaar Margarete Herz (1872-1947) und Helene Wolff (1871-1917) in Chicago vorgestellt. Der Vortrag im Center on Halsted am 28. August 2014 wurde mitgeschnitten und ist nun – in Englisch – online verfügbar (46 min).

During the German Empire the dentists Margarete Herz and Helene Wolff were founding members of the local Women's Suffrage Association in Bonn in 1909, in which they were active together with the publicist and fighter for women's suffrage Johanna Elberskirchen (1864-1943).
The lifestyles of the newly discovered women's couple aimed at economic and achieving personal independence, on democratic right to vote for all people and healthy lifestyles. After Helene's death in 1917, Margarete Herz opened a vegetarian restaurant in the East of Germany. In 1938, she was forced to flee Germany because she was of Jewish decent, and lost all her belongings to the Nazi Regime. She made her first home in Chicago, on Paulina Street above the Herz General Store with her relatives.
With the help of American relatives, Ingeborg's lecture includes information and photos of these early suffragettes in Germany.




3. Neue Bücher – Ältere Informationen siehe unter Archiv




Erschienen - unter Beteiligung von Autorinnen des Lesbengeschichtsportals


Zwischen Verfolgung und Selbstbehauptung.
Schwul-lesbische Lebenswelten an Ruhr und Emscher im 20. Jahrhundert. Hrsg. von Frank Ahland


274 Seiten, broschiert, 16,99 EUR, ISBN: 978-3-86408-212-2, Berlin: Vergangenheitsverlag 2016 (Zeit und Geschichte)



Buchcover



Erschienen


Christiane Leidinger: Zur Theorie politischer Aktionen. Eine Einführung.


ca. 128 Seiten, ca. 12,80 Euro, ISBN 978-3-942885-96-6 | WG 973, Münster: edition assemblage
Neuerscheinung Oktober 2015

Mehr Informationen im Flyer als pdf zum download Vorschau (618 KB).



Zur Theorie politischer Aktion



Erschienen


Lesbische Existenz 1945-1969.

Aspekte der Erforschung gesellschaftlicher Ausgrenzung und Diskriminierung lesbischer Frauen mit Schwerpunkt auf Lebenssituationen, Diskriminierungs- und Emanzipationserfahrungen in der frühen Bundesrepublik.


Expertise von Dr. Christiane Leidinger im Auftrag der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung (LADS) bei der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, Berlin. Schriftenreihe des Fachbereichs LSBTI Nr. 34.
(ab November 2015 als Broschüre bei der LADS bestellbar: E-Mail: broschuerenstelle@senaif.berlin.de)

pdf zum download Vorschau (3,4 MB).

Pressemitteilung
der Senatsverwaltung für Arbeit Integration und Frauen (Berlin)

http://www.berlin.de/sen/aif/ueber-uns/presse/2015/pressemitteilung.416807.php

Pressemitteilung als pdf zum Download Vorschau (86 kb).



Expertise



Erschienen:


Ingeborg Boxhammer: Marta Halusa und Margot Liu. Die lebenslange Liebe zweier Tänzerinnen


92 Seiten, 9,90 Euro, ISBN 978-3955651169, Berlin: Hentrich & Hentrich (Jüdische Miniaturen Bd. 175)
Juli 2015

Die Tänzerinnen Marta Halusa (1910-1999) und Margot Holzmann (1912-1993) werden in Berlin von den Nazis verfolgt: Margot Holzmann vor allem wegen ihrer jüdischen Herkunft, beide Frauen wegen Prostitution und "lesbischer Betätigung". Die erhoffte Sicherheit über die Eheschließung mit dem Chinesen Chi-Lan Liu erfüllt sich für Holzmann kaum. Margot Liu und Marta Halusa werden über Jahre immer wieder denunziert und festgenommen. Mit viel Glück überlebt das Paar den Nationalsozialismus. Das Porträt folgt der bewegenden Lebensgeschichte der beiden Frauen: von ihrem Kennenlernen im Hamburger Varieté und ihren Jahren in Berlin bis zu ihrer Emigration nach England und ihrem langen Kampf mit den bundesdeutschen Behörden um sogenannte Entschädigungsleistungen.


Marta Halusa und Margot Liu

Stimmen zum Buch

"Der knappe Band bietet einen gut zugänglichen Einstieg in die Thematik, da über die Biografien der beiden Frauen Einblick in die Verfolgungsmechanismen des NS-Systems und die Hindernisse auf dem Weg zu Entschädigung nach 1945 vermittelt wird. Die in diesem Fall erfolgreiche Spurensuche der Autorin steht für viele weitere Biografien lesbischer Frauen, über die es oft keine Dokumente gibt. Eine Empfehlung."
Elisa Heinrich, Weiberdiwan - Die feministische Rezensionszeitschrift, Sommer 2016

"Trotz quellenbedingter Einschränkungen liefert Boxhammer mit dieser Studie einen wichtigen Beitrag über die Lebensläufe zweier Frauen, die auf unterschiedliche Weise in der NS-Zeit verfolgt wurden und deren Diskriminierung 1945 nicht endete."
Claudia Schoppmann, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Heft 4/2016

"Akribisch zeichnet Boxhammer die verschiedenen Aspekte auf, wegen derer die beiden Frauen immer wieder verfolgt wurden. Dass dies die Forschung schwierig macht, wird auch an diesem Porträt deutlich. So zeigt Boxhammer auch die Verfolgung der beiden Frauen als Prostituierte, als Jüdin und als lesbische Frauen auf, es sind fließende Übergänge. Ebenso schildert sie deren Tätigkeit im Widerstand sowie den jahrelangen mühsamen Kampf um Anerkennung und 'Entschädigung' für die Misshandlungen, die sie durch die Nazis erlitten hatten."
Frauen – Buch – Kritik: Virginia Nr. 58, März 2016

"Die Historikerin fügt mit diesem Buch dem Sichtbarmachen lesbischer Frauen und ihrer Lebenswege im Nationalsozialismus einen bewegenden Baustein hinzu. Damit erfährt auch die Lebensleistung dieser beiden Frauen als lesbische Frauen ihre besondere Würdigung."
LuK-LekTüre Nr. 24, März 2016

"Eine lebenslange Liebe verband die beiden Tänzerinnen Marta und Margot in einer schwierigen Zeit. (...) Ingeborg Boxhammer hat hier ein handliches Dokument der deutschen Geschichte geschaffen. Bisher gibt es leider nur wenige aufgearbeitete Quellen der Verfolgungen lesbischen Lebens im Nationalsozialismus."
Mathilde Frauenzeitung, Januar/Februar 2016

"Ingeborg Boxhammer versteht die Beschreibung des Überlebenskampfes der beiden Frauen als Würdigung der Lebensleistung eines Lesbenpaares im und nach dem Nationalsozialismus und als Beitrag, die oft noch unerforschte Geschichte lesbischer Frauen sichtbarer zu machen."
Barbara Degen, Haus der FrauenGeschichte Bonn, November 2015

"Mit ihrer 'Jüdischen Miniatur' ist es Boxhammer gelungen, das Schicksal der beiden Tänzerinnen Margot Liu und Marta Halusa knapp, aber eingehend nachzuzeichnen. Ihre Kurzbiografie dürfte einen wichtigen Impuls für die historische Forschung liefern, die weiterhin daran krankt, die Lebenswege lesbischer Frauen im Nationalsozialismus ausreichend sichtbar zu machen. Dass die biografische Rekonstruktion aufgrund unzureichenden Quellenmaterials dabei Lücken aufweist und die Autorin in mehreren Fällen auf Vermutungen zurückgreifen muss, tut dem Büchlein keinen Abbruch, sondern zeugt von den Bemühungen Boxhammers, die die Leserin zugleich zu eigenen Schlussfolgerungen anspornt. (...) Die so entstandene Kurzbiografie zeichnet sich dabei durch ein umfangreiches Bildmaterial aus, das den Lebensweg der beiden Protagonistinnen anschaulich illustriert."
AVIVA. Online Magazin für Frauen, Oktober 2015 online

"Ein bewegendes, erhebendes, Mut machendes, luzides Hohelied auf unerschütterliche Liebe und Solidarität in Zeiten des Terrors."
L.MAG. Das Magazin für Lesben, September/Oktober 2015

"Ein Lehrstück darüber, wie es im Dritten Reich denen ging, die nicht zur 'Volksgemeinschaft' gehörten. Sehr bereichernd sind die an vielen Stellen in den Text eingebauten historischen Fotografien."
Forum Homosexualität München, September 2015




Erschienen – unter Beteiligung einer Autorin des Lesbengeschichtsportals:


QWIEN – Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte/WASt – Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen (Hrsg.):
ZU SPÄT? Dimensionen des Gedenkens an homosexuelle und transgender Opfer des Nationalsozialismus.


Wien: Zaglossus Juni 2015. 356 Seiten, 24,95 Euro, ISBN 978-3-902902-35-1


Lange Zeit war der Gedenkdiskurs über homosexuelle und transgender NS-Opfer vom Kampf um die Anerkennung als Opfergruppe geprägt. Diese Dokumentation der Tagung "Gedenken neu gedacht - Wien gedenkt vergessener Opfer", die im November 2014 stattgefunden hat, setzt neue Impulse für das Gedenken an die Verfolgung von Lesben, Schwulen und transgender Personen in der NS-Zeit. Aufbauend auf den bisherigen Bemühungen zur Realisierung eines permanenten Gedenkzeichens sowie auf den Erfahrungen mit temporären Mahnmalen in Wien betten die Beiträge des Bands den Wiener Diskurs in internationale Entwicklungen ein. Dabei wird ein weiter Bogen von grundlegenden Überlegungen zu Gedenkpolitik, über historische Fragen bis hin zu ästhetischen und kunstkritischen Auseinandersetzungen gespannt.

darin u.a.:

Tomberger, Corinna: Späte Anerkennung oder symbolpolitisches Feigenblatt? Zur Bedeutung eines Mahnmals für homosexuelle und transgender NS-Opfer in Wien.

Inhaltsverzeichnis Vorschau.



Zu spät



Erschienen – unter Beteiligung von Autorinnen des Lesbengeschichtsportals:


AutorInnenkollektiv Loukanikos (Hrsg.): History is unwritten. Linke Geschichtspolitik und kritische Wissenschaft. Ein Lesebuch


Münster: edition assemblage 2015, 400 Seiten, 19.80 EUR [D], ISBN 978-3-942885-77-5 | WG 973

In /History is unwritten /diskutieren historisch Forschende, Autor*innen, Künstler*innen und politische Initiativen in 25 Wortmeldungen, wie ein emanzipatorischer Umgang mit Geschichte heute aussehen könnte. Ob Kolonialismus im Kasten oder Tränen in der Wissenschaft, ob Rosa Luxemburg oder Subcomandante Marcos, ob Ausgraben und Erinnern oder Kämpfen und Zweifeln – zusammen ergeben die Beiträge einen vielfältigen Eindruck von einer Linken, die sich um die Vergangenheit scheren muss, wenn sie etwas von der Zukunft will.
Die Publikation ist die erweiterte Dokumentation der gleichnamigen Konferenz in Berlin im Dezember 2013.

darin u.a.:
"/Lesbian like/" Geschichte – Vom Wettstreit richtiger Bezeichnungen, Verdächtigungen, Lesbensex und einer Vermisstenanzeige.

Inhaltsverzeichnis zum Download: Inhaltsverzeichnis


History is unwritten



Erschienen:


Homosexuelle im Nationalsozialismus.

Neue Forschungsperspektiven zu Lebenssituationen von lesbischen, schwulen, bi-, trans- und intersexuellen Menschen 1933-1945 (= Zeitgeschichte im Gespräch 18), hrsg. von Michael Schwartz
München: Oldenbourg De Gruyter 2014
u.a. mit Beiträgen von den Lesbengeschichtsportal-Autorinnen: Ingeborg Boxhammer, Christiane Leidinger, Claudia Schoppmann und Corinna Tomberger.

Das Buch ist am 20.11.2015 auch in der Schriftenreihe (Bd. 1572) der Bundeszentrale für poltiische Bildung (Bonn) erschienen. Externer Link zur Bestellung: http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/215664/homosexuelle-im-nationalsozialismus

Homosexuelle im Nationalsozialismus



Anlässlich des 150. Geburtstages von Johanna Elberskirchen (1864-1943) am 11. April 2014
wird der LADENPREIS der gebundenen Biografie im UVK-Verlag GESENKT auf EUR 9,99 [D]! – (bislang: EUR [D] 24,99 / EUR [A] 25,70)
www.uvk.de

Flyer zum Buch mit neuem Preis als pdf zum Download Buchflyer


Christiane Leidinger:
Keine Tochter aus gutem Hause – Johanna Elberskirchen (1864-1943)

Konstanz: UVK 2008

Keine Tochter aus gutem Hause

Inhaltsverzeichnis des Buchs (pdf 36kb) Inhalt



Pressestimmen zum Buch:

Der Autorin gelang ein excellentes Werk zur Zeitgeschichte mit Unterhaltungswert.
Geschichte quer, Zeitschrift der Geschichtswerkstätten in Bayern

Insgesamt ist die Lektüre ein Gewinn nicht nur für Spezialisten auf dem Gebiet der Frauen- und Geschlechtergeschichte, denn die Zusammenhänge und historischen Abläufe sind überaus nachvollziehbar, plastisch beschrieben und verbleiben nicht in einem abgeschiedenen Spezialdiskurs. Auch Laien und Fachfremde gewinnen Einblicke in eine Facette deutscher Geschichte, die längst noch keinen selbstverständlichen Platz in den gängigen Gesamtdarstellungen hat.
Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung

Christiane Leidinger hat Johanna Elberskirchen in einem nicht hoch genug einzuschätzenden Wiederentdeckungsakt dem kulturellen Gedächtnis zurückgegeben. (...) Keine der 350 Seiten ist langweilig. Das Buch liest sich streckenweise wie in Krimi. (...) Die Autorin hält genügend Abstand zu Elberskirchen, kritisiert fundiert, wenn ihr deren rhetorische Annäherungen an ‚Nation', ‚Kultur' oder ‚Entartung' zu weit gehen, wobei sie interessanterweise sowohl vom heutigen Stand aus argumentiert als auch den Stand der zeitgenössischen Kritik einbezieht, ohne beides zu vermischen.
Mitteilungen der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft

Auch insgesamt wäre es absolut wünschenswert, die Geschichte der Arbeiterbewegung noch stärker im Zusammenhang mit anderen Emanzipationsbewegungen zu betrachten. Untersuchungen wie die vorliegende sind dazu ein unverzichtbarer Schritt.
Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung

Wer sich darüber hinaus an erfrischend klar, amüsant und provokant formulierten Positionen erfreuen kann, der wird ebenfalls auf seine Kosten kommen, denn Leidinger lässt die politische Aktivistin, Rednerin und Schriftstellerin Elberskirchen oft selbst zu Wort kommen, was die wissenschaftlich anspruchsvolle Biografie nebenbei zu einem wahren Lesevergnügen macht.
Zeitschrift für Sexualforschung

Besonders hervorzuheben ist die kritische Genauigkeit, mit der Leidinger auch die Schriften Johanna Elberskirchens unter die Lupe nimmt.
invertito – Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten

Christiane Leidinger, die es sich zum Ziel gemacht hat, lesbische Frauen in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen, ist dies wieder einmal gelungen.
L.mag

Dieses Buch ist für ein breites Publikum geschrieben, nicht akademische Selbstbespiegelung sondern Geschichtsvermittlung.
sehepunkte.de. Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften

Die Faszination, die von dieser ungewöhnlichen und streitbaren Denkerin und Aktivistin ausgeht, ist im gesamten Buch spürbar. Dennoch bewahrt die Autorin die kritische Distanz und weist auch auf die problematischen Positionen hin.
Radio Z

Ihr Leben böte Stoff für einen Roman. (...) Wie wird man so? Wie schafft man das? Gegen alle Widerstände?
vorwärts. Die Zeitung der Deutschen Sozialdemokratie

Die Sache mit der Urne ist das Salz in der Lebensgeschichte der Johanna Elberskirchen, sie streut das gewisse Etwas an Grusel, Kämpfergeist und Romantik ein.
Siegessäule

...wärmstens zur Lektüre empfohlen...
literaturkritik.de




Erschienen:


Invertito 14


unter anderem mit folgenden Beiträgen:

Christiane Leidinger
Transgressionen – Streifzüge durch Leben und Werk von Emma Trosse (1863-1949).
Erste Denkerin des Dritten Geschlechts der Homosexuellen und Sinnlichkeitslosen

"Die Verfolgung von Lesben und Schwulen im Nationalsozialismus hatte viele Gesichter".
Ein Interview von Christiane Leidinger mit Claudia Schoppmann.


Invertito 14. Jahrgang 2012, kart., 200 S., EUR (D) 17,00, ISBN: 978-3-86300-137-7, Hamburg: Männerschwarm Verlag 2013

Buch-Cover Invertito



Erschienen:


Invertito 13


unter anderem mit folgenden Beiträgen:

Christiane Leidinger
Gründungsmythen zur Geschichtsbemächtigung?
Die erste autonome Schwulengruppe der BRD war eine Frau

Ingeborg Boxhammer
Lesbische Liebe und Kleptomanie
Presseberichte über Kölner Unterschlagungen um 1930

Claudia Schoppmann
Sprung ins Nichts. Überlebensstrategien lesbischer Jüdinnen in NS-Deutschland


Invertito 13. Jahrgang 2011, kart., 220 S., EUR (D) 17,00, ISBN: 978-3-86300-118-6, Hamburg: Männerschwarm Verlag 2012

Buch-Cover Invertito



Erschienen:


Homophobie und Devianz


Einige der AutorInnen der Lesbengeschichtsseite haben neue Texte zur Verfolgung lesbischer Frauen im Nationalsozialismus sowie zu Gedenk- und Erinnerungspolitik vorgelegt. Es handelt sich um Beiträge des folgenden Bandes:
Eschebach, Insa (Hrsg.): Homophobie und Devianz. Weibliche und männliche Homosexualität im Nationalsozialismus. (= Forschungsbeiträge und Materialien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten). Berlin: Metropol 2012.
208 Seiten. EUR 19.- ISBN 9783863310660

Kurzrezension: Text

Buch-Cover



Erschienen:


Heike Schader / Gigi Martin: Gigi Martin – ihr Leben erzählt zwischen Fiktion und Realität / Mauern aus Schleiern der Einsamkeit.


Produktbeschreibung des Verlags:
Ein Wendebuch bestehend aus einer Biografie und einem Roman – im Zentrum Gigi Martin. In der Biografie der Hamburger Autorin, die so oft ihre eigenen, gesellschaftlich unangepasste, Vorstellungen über Sexualität und Beziehungen literarisch verarbeitet hat, wird immer wieder die Verbindung zwischen literarischem Werk und Leben nachgezeichnet. So war bereits ihr erster Roman, der 1960 Jahre herauskam, autobiografisch gefärbt. Die damals 25 jährige Autorin war bekennende Lesbe und der Roman sorgte für Empörung unter den BürgerInnen. Angereichert ist die Biografie durch zahlreiche Abbildungen. Darunter sind Fotografien von den Begegnungen mit Prominenten der Zeit, Zeitungsausschnitte und Pressefotos aus dem Privatbesitz der Autorin. Der Roman "Mauern aus Schleiern der Einsamkeit", der ebenfalls im Wendebuch enthalten ist, entstand in den frühen 1980er Jahren. Auch in diesem Roman greift Gigi Martin ein tabuisiertes Thema auf. Die Protagonistin erkennt während eines Besuches bei ihrer Exfreundin, dass diese in einer eigenen Welt lebt, in der sich Realität und Fiktion zu vermischen beginnen. Sensibel beschreibt die Autorin, wie sie langsam eintaucht in die "verrückte" Welt der anderen und dabei doch Zaungast bleibt, schwankend zwischen Hilflosigkeit und helfen wollen. Der Roman ist ein Stück Zeitgeschichte und dabei auch heute noch im Besten Sinne irritierend.


Heike Schader / Gigi Martin: Gigi Martin – ihr Leben erzählt zwischen Fiktion und Realität / Mauern aus Schleiern der Einsamkeit.
Preis: 24,80 Euro
Roman-Wendeband, Berlin: Pro BUSINESS, 1. Auflage 2010.
Bestellung direkt bei book on demand unter:
http://www.pb-bookshop.de/product_info.php?products_id=1268&osCsid=94281b6b6fb7c68261dc9fc45497bfa8

Cover



Erschienen:


Jens Dobler
Zwischen Duldungspolitik und Verbrechensbekämpfung – Homosexuellenverfolgung durch die Berliner Polizei von 1848 bis 1933


Homosexualität war in Deutschland die längste Zeit verboten. Da das Verbot in einem Strafgesetz fixiert war, war die Kriminalpolizei für die Verfolgung der Homosexuellen zuständig. Im Mittelpunkt der Arbeit steht der polizeiliche Umgang mit diesem Arbeitsgebiet: die Überwachung, Registrierung und Fahndung, die Einflüsse der Kriminologie, die Inhalte der polizeilichen Aus- und Fortbildung sowie die Bedeutung der Zensur so genannter unsittlicher Schriften.


Intensiv wird die Arbeit des Homosexuellendezernates der Kriminalpolizei und seiner jeweiligen Leiter geschildert, die Einflüsse zeithistorischer Ereignisse und der verschiedenen Interessengruppen, die Verschärfungen oder Erleichterungen in der Verfolgung Homosexueller zu erreichen suchten.
Bemerkenswert für Berlin ist, dass das Homosexuellendezernat als Verfolgungsinstanz schließlich mit der homosexuellen Emanzipationsbewegung zusammenarbeitete und für einen langen Zeitraum eine Duldungspolitik einleitete. Gleichzeitig bietet die Arbeit einen genauen Einblick in die Entwicklung der Berliner Kriminalpolizei generell und leistet somit einen nicht unerheblichen Beitrag zur Polizeigeschichte zwischen 1848 und 1933.


Zwischen Duldungspolitik und Verbrechensbekämpfung

Jens Dobler:
Zwischen Duldungspolitik und Verbrechensbekämpfung – Homosexuellenverfolgung durch die Berliner Polizei von 1848 bis 1933 (Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Polizeigeschichte e.V. Band 6), Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt/Main 2008 (ISBN 978-3-86676-041-7)
618 Seiten, 26,90 €




Erschienen:


Christiane Leidinger
Keine Tochter aus gutem Hause
Johanna Elberskirchen (1864-1943)


Johanna Elberskirchen war keine »Tochter aus gutem Hause« – doch diese Hürde der sozialen Herkunft ermutigt sie nur, sich darüber hinweg zu setzen. Bildung, Lohnarbeit und sogar ein Frauenstudium in der Schweiz inspirieren die lebenshungrige Bonnerin zu weiteren vielfältigen Interessen.


Keine Tochter aus gutem Hause

Als Rednerin, Aktivistin und Schriftstellerin wird ihre schärfste Waffe das Wort: Pathetisch, polemisch und provokant sind ihre Schriften, vielfach überraschend modern ihre Überlegungen, die auf Freiheit und soziale Gerechtigkeit zielen.
1943 stirbt Johanna Elberskirchen in Rüdersdorf bei Berlin, wo sie in eigener homöopathischer Praxis arbeitete. Die Umstände der Beisetzung sind mysteriös: Jahrzehnte nach ihrem Tod finden und vergraben zwei Frauen heimlich ihre Urne.
Erstmals werden nun die Spuren des ungewöhnlichen und kämpferischen Lebens von Johanna Elberskirchen für die Befreiung von Frauen, ArbeiterInnen, Lesben und Schwulen verfolgt. Christiane Leidinger entwirft dabei ein lebendiges und faszinierendes Panorama der Zeit vom deutschen Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus. Ein Buch über bewegte und widersprüchliche politische Wege einer umstrittenen Feministin, Sexualreformerin und Sozialdemokratin.


Christiane Leidinger:
Keine Tochter aus gutem Hause
Johanna Elberskirchen (1864-1943)
Konstanz: UVK 2008


480 Seiten. 67 s/w Abb., gebunden
ISBN 978-3-86764-064-0
(D) 24,90 EUR – freier Preis SFr 44,00
willkommen@uvk.de


* Inhaltsverzeichnis des Buchs (pdf 36kb) Inhalt


* Spurensuche – Eine Einleitung (pdf 116kb) Spurensuche


* Namens- und Ortsregister (pdf 80kb) Register


* Zeittafel zu Leben und Werk von Johanna Elberskirchen (pdf 68kb) Zeittafel




In Bewegung bleiben.
100 Jahre Politik, Kultur und Geschichte von Lesben.
Hrsg. von Dennert, Gabriele / Leidinger, Christiane / Rauchut, Franziska.


Unter Mitarbeit von Stefanie Soine.


Berlin: Querverlag 2007
456 Seiten, 325 Abbildungen
ISBN 978-3-89656-148-0
24,90


Lebendige und vielfältige Lesbengeschichte in einem Band – informativ, historisch, bunt, analytisch und streitbar. Das Buch ist geschrieben aus der Sicht von Aktiven zwischen Jahrgang 1931 bis 1981 und versammelt rund 100 Beiträge zu Bewegung, Alltag und Kultur lesbischer Frauen im 20. Jahrhundert: politische Kämpfe, Widerstand & Rückschläge, Kontroversen & Streit, Spaß & Lust. Fotos, Plakate und Titelbilder illustrieren Bewegungsaktionen und -alltag.


In einem bisher einmaligen Projekt zeichnet dieses spannende Lesebuch lebendige Bilder der politischen Lesbenbewegung vom Ende des 19. bis zum 21. Jahrhundert. Gelebte Geschichte, die Feministinnen der ersten Stunde genauso begeistern wird wie junge Lesben und alle politisch Interessierten heute.

In Bewegung bleiben

Das Inhaltsverzeichnis zum Herunterladen: pdf





Klassikerin der Lesbengeschichte:

Lesbian History Group

Und sie liebten sich doch! Lesbische Frauen in der Geschichte 1840 – 1985

Aus dem Englischen von Katharina Kappe und Susanne Amrain. Übersetzt erschienen 1991, 240 Seiten, broschiert, 10,00 EUR

Ist es wichtig, ob sie es taten? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, wurde immer wieder große Mühe darauf verwendet, die Geschichte leidenschaftlicher Frauenfreundschaften zu vertuschen und zu leugnen. Die Autorinnen dieser Anthologie enthüllen, in welchem Maß die Lebenszeugnisse berühmter Schriftstellerinnen wie Charlotte Brontë, George Eliot oder Vera Brittain verschwiegen oder gewaltsam umgedeutet wurden.

Lesbian History Group

Die Nachforschungen der Londoner Lesbian History Group erlauben wichtige Einblicke in die Netzwerke von Frauen, erkunden die Geschichte von "Femme" und "KV" und betrachten auch die Heldinnen der einst so beliebten Internatsromane in einem ganz neuen Licht. Verlegt im Daphneverlag, zu beziehen über Krug & Schadenberg: www.krugschadenberg.de




Nur noch kurze Zeit lieferbar ist Claudia Schoppmanns Buch:


Verbotene Verhältnisse. Frauenliebe 1938-1945

Anhand von Prozessakten schildert die Berliner Historikerin die Lebensbedingungen von lesbischen Frauen in Österreich während der Zeit des „Anschlusses“ an das nationalsozialistische Deutschland. Anders als in Deutschland wurde in Österreich auch lesbische Liebe strafrechtlich verfolgt: § 129 bedrohte gleichgeschlechtliche „Unzucht“ mit Zuchthaus von einem bis fünf Jahren. Neben zehn Fallgeschichten gibt das Buch auch einen Überblick über die Homosexuellenpolitik in Deutschland und Österreich – vor, während und nach der NS-Zeit – und bietet damit wertvolle Hintergrundinformationen.


Verbotene Verhältnisse

Berlin: Querverlag 1999, 155 S., ISBN 3-89656-038-7


Beim Verlag € 8,00 – mail@querverlag.de



4. Aktuelle Termine und mehr – alphabetisch nach Städten und Datum geordnet (Berlin, Bochum, Bonn, Cottbus-Senftenberg, Dortmund, Köln, Mecklenburg-Vorpommern)




BERLIN


Ausstellung:
Love at First Fight! Queere Bewegungen in Deutschland seit Stonewall



In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 stürmt die Polizei die New Yorker Bar Stonewall Inn – wiedermal, aber einmal zuviel. Denn die Gäste haben genug: queere Menschen aller Geschlechter, darunter viele People of Color, wehren sich gegen die routinierte Schikane. Jahrzehnte aufgestauter Wut entladen sich in einem tagelangen Aufstand rund um die New Yorker Christopher Street. Und setzen von dort aus einen Impuls zur queeren Emanzipation auf der ganzen Welt.
Schon oft wurde diese Geschichte erzählt, meist als schwule Erfolgsgeschichte mit Happy End in bürgerlicher Anerkennung. Doch für viele hat der Kampf nie aufgehört. Deswegen will die Ausstellung Love at First Fight! im Schwulen Museum neue Wege und Perspektiven öffnen: auf (mehr als) 50 Jahre queeren Widerstand in der BRD, der DDR und schließlich im wiedervereinigten Deutschland.

Termin: Ab 19. Juli 2019
Ort: Schwules Museum, Lützowstr. 73, 10785 Berlin, Schwules Museum




BOCHUM


In Bewegung bleiben! Intersektionale Ansätze in der Lesbenbewegung der 80er und 90er – und heute?



Vortrag und Diskussion mit: Christiane Leidinger, Muriel González Athenas, Rita Kronauer und Madeline Doneit. Moderation: Gabriele Dennert

„Radikal – lesbisch – feministisch – queer. Lesbisches Leben 50 Jahre nach den Stonewall Riots“
Veranstaltungsreihe in Dortmund und Bochum von April bis Juli 2019
Programm als pdf: pdf



Termin: Dienstag, 18. Juni 2019, 18 Uhr
Ort: atelier automatique, Rottstr. 14, Bochum




BONN


****Filmreihe****

Queer Monday: Grandma


Im April 2012 startete im Bonner Kino in der Brotfabrik eine neue Reihe mit Filmen, die sich mit queeren, lesbischen, trans*, schwulen, bi- oder intersexuellen Themen beschäftigen. Die Reihe wird voraussichtlich jeden 4. Montag im Monat stattfinden

Grandma, USA 2015, Regie: Paul Weitz
Die eigenwillige Dichterin Elle Reid (Lily Tomlin), die mit ihrer verstorbenen Lebensgefährtin eine Tochter (Marcia Gay Harden) großzog, ist wenig erfreut, als ihre ungewollt schwangere Enkelin Grandmas Hilfe einfordert. Aber schließlich gibt Elle alles ...

Termin: Montag, 24. Juni 2019, 19:00 Uhr
Ort: Kino in der Brotfabrik, Kreuzstraße 16, 53225 Bonn
rollizugänglich; allerdings muss für den Fahrstuhl Assistenz vom Brotfabrik-Personal angefordert werden




BONN


****Filmreihe****

Queer Monday: Anker der Liebe


Im April 2012 startete im Bonner Kino in der Brotfabrik eine neue Reihe mit Filmen, die sich mit queeren, lesbischen, trans*, schwulen, bi- oder intersexuellen Themen beschäftigen. Die Reihe wird voraussichtlich jeden 4. Montag im Monat stattfinden

Anker der Liebe, Spanien/Großbritannien 2017/18, Regie: Carlos Marques-Marcet
Das Lesbenpaar Eva (Oona Chaplin, Enkelin von Charlie Chaplin) und Kat (Natalia Tena) führt auf seinem Londoner Hausboot ein glückliches und unbeschwertes Leben. Bis Eva, angestachelt durch ihre Mutter Germaine (gespielt von ihrer biologischen Mutter: Geraldine Chaplin!), Kat eines Tages ein Ultimatum stellt: Sie will ein Kind – jetzt! Doch zu Evas Entsetzen fasst Kat daraufhin ihren besten Freund Roger (David Verdaguer) als Samenspender ins Auge. „Dramödie“ über Familienplanung im 21. Jahrhundert.

Termin: Montag, 29. Juli 2019, 19:00 Uhr
Ort: Kino in der Brotfabrik, Kreuzstraße 16, 53225 Bonn
rollizugänglich; allerdings muss für den Fahrstuhl Assistenz vom Brotfabrik-Personal angefordert werden




BONN


Johanna Elberskirchen (1864-1943) im Bonner Haus der FrauenGeschichte


Das Bonner Haus der FrauenGeschichte wurde am Sonntag, den 30. September 2012, durch die Stifterin Annette Kuhn, emeritierte Professorin für Frauenforschung, offiziell eröffnet!

In den neuen Räumen in der Bonner Nordstadt soll Frauengeschichte in der Spirale der Zeit sichtbar werden. Neben einer Dauerausstellung zu den vielfältigen Lebenswegen von Frauen bietet das Haus eine kleine Bibliothek und einen themenbezogenen "Matri-Shop", Führungen, Vorträge und Kreativveranstaltungen.

Mit finanzieller Unterstützung durch das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter NRW, der LAG Lesben in NRW und www.lesbengeschichte.de wurde ermöglicht, dass auch die lesbische Bonner Publizistin, umstrittene Sozialdemokratin und radikale Feministin Johanna Elberskirchen (1864-1943) auf drei Tafeln in der Dauerausstellung des Hauses der FrauenGeschichte präsent ist.

Möglicherweise handelt es sich dabei um die ersten biografischen Ausstellungstafeln in einem Museum in der Bundesrepublik, das keinen lesbisch/schwulen/bisexuellen/trans*/intersexuellen/queeren (LGBTIQ) Anspruch verfolgt, in denen öffentlich wird, dass die Porträtierte lesbisch gelebt und darüber hinaus homosexuellen-emanzipatorisch gewirkt hat.

Siehe auch Haus der FrauenGeschichte

Reguläre Öffnungzeiten: mittwochs, 10:00 – 15:00 Uhr
Jeden letzten Samstag im Monat von 13.00-17.00 Uhr
Führungen während der Öffnungszeiten

Ort: Haus der FrauenGeschichte, Wolfstr. 41, 53111 Bonn, Tel.: 0228 98143689




COTTBUS-SENFTENBERG


Ausstellungseröffnung:
„Ohne Mut geht hier nichts!“ Lesbisch, schwul und trans* in Brandenburg gestern und heute



Eine Wanderausstellung des Instituts Soziale Arbeit der BTU Cottbus-Senftenberg, des Vereins Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern und der Amadeu Antonio Stiftung

Zum Programm:
Moderation: Miss Cherry Moonlight
_16.30 Uhr – feierliche Eröffnung der Ausstellung
_Grußwort – Monika von der Lippe, Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg
_Kurzvortrag: Lesben, Schwule, Trans*-Geschichte in Brandenburg sichtbar machen – Zwischen Diskriminierung, Verfolgung, Widerständigkeit und Emanzipation
_Christine Matt (M.A.) und Prof. Dr. Heike Radvan (beide BTU Cottbus- Senftenberg)
_Kurzvortrag: Recherchen für die Ausstellung – Studierende der BTU Cottbus- Senftenberg berichten von ihren Erfahrungen aus einem Studierenden-Projekt Feierliche Eröffnung mit Kuchen und Getränken
_18 Uhr – Konzert (Open Air) mit Katharina Franck von den "Rainbirds"

Programm als pdf: pdf



Termin: Freitag, 14. Juni 2019, 16:30 Uhr
Ort: Institut Soziale Arbeit der BTU Cottbus-Senftenberg, Standort Sachsendorf, Gebäude 10, Raum 10.301, Lipezker Straße 47, 03048 Cottbus



DORTMUND


Lesben gegen rechts! Feminismus, Lesbenbewegung und Antifaschismus heute



Impulsvorträge, Diskussion und Connecting Space mit dem neuen bundesweiten Netzwerk „Lesben gegen Rechts“ und Antifaschistinnen aus Dortmund


„Radikal – lesbisch – feministisch – queer. Lesbisches Leben 50 Jahre nach den Stonewall Riots“
Veranstaltungsreihe in Dortmund und Bochum von April bis Juli 2019
Programm als pdf: pdf



Termin: Dienstag, 16. April 2019, 18 Uhr
Ort: Lesben- und Schwulenzentrum KCR, Braunschweiger Str. 22, Hinterhaus, Dortmund



DORTMUND


Selbstbestimmt sichtbar! Wem gehört das Thema ‚lesbische Sichtbarkeit‘? Lesben zwischen LSBTTIQ*, Queer, Förderpolitik, Aktivismus und Autonomie



Vortrag und Diskussion mit: Stephanie Kuhnen, Journalistin und Projektmanagerin „Lesbisch.Sichtbar. Berlin"



„Radikal – lesbisch – feministisch – queer. Lesbisches Leben 50 Jahre nach den Stonewall Riots“
Veranstaltungsreihe in Dortmund und Bochum von April bis Juli 2019
Programm als pdf: pdf



Termin: Dienstag, 14. Mai 2019, 18 Uhr
Ort: FH Dortmund, Emil-Figge-Str. 44, Dortmund, Raum: 335



DORTMUND


Filmnachmittag „Gender Troubles: The Butches“ (Lisa Plourde, 2016)



Veranstaltung von Lebedo – Lesbenberatungsstelle Dortmund (in Kooperation mit FH Dortmund)



„Radikal – lesbisch – feministisch – queer. Lesbisches Leben 50 Jahre nach den Stonewall Riots“
Veranstaltungsreihe in Dortmund und Bochum von April bis Juli 2019
Programm als pdf: pdf



Termin: Samstag, 15. Juni 2019, 16 Uhr
Ort: Lebedo, Wißstr. 18a, Dortmund



DORTMUND


„FrauenLesben bildet Banden!“ Spurensuche zur militanten Frauengruppe „Rote Zora“ in den 1970er/80er Jahren in der BRD



Film (2019) und Gespräch mit: LAS OTRAS FrauenLesbenFilmCollectif (Berlin)



„Radikal – lesbisch – feministisch – queer. Lesbisches Leben 50 Jahre nach den Stonewall Riots“
Veranstaltungsreihe in Dortmund und Bochum von April bis Juli 2019
Programm als pdf: pdf



Termin: Dienstag, 9. Juli 2019, 18 Uhr
Ort: FH Dortmund, Sonnenstr. 96, Dortmund, Raum: F212



KÖLN


Stadtrundgang: Laufend erinnern 2019
Zum Gedenken an verstorbene Homosexuelle


Auch dieses Jahr laden das CSG und der Kölner Frauengeschichtsverein zum Stadtrundgang „Laufend erinnern“ ein. Ziel dieser gemeinsamen Aktion ist, die Erinnerung an die Zeit der Verfolgungvon Schwulen und Lesben wachzuhalten und dem Wissen um die Geschichte unserer Minderheit einen angemessenen Platz im Rahmen des Christopher Street Day zu geben.
2019 geht es in die Kölner Südstadt, wo wir u.a. eine mit Frauen lebende Musikprofessorin sowie ein schräges Lied der Kölner Diseuse Dora Dorette vorstellen. Irene Franken erinnert u.a. an eine Schiffsbesetzung zu Weiberfastnacht.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der VHS Köln und dem Centrum Schwule Geschichte

Termin: Samstag, 29. Juni 2019, 16:00 bis 18:00 Uhr
Kosten: 11 Euro
Treffpunkt: Harry-Blum-Platz



KÖLN


Lesbengeschichtliche Führung:
Im Damenklub beim Schiebertanz


Wie lernten Lesben sich 1920 kennen? Warum verkehrten im Frauenclub Damen und im Damenclub halbseidene Ehefrauen? Wie lernten sich Lesben in den Zwanziger Jahren kennen und wo trafen sie sich? Wurden Lesben im Nationalsozialismus so systematisch wie Schwule verfolgt oder wurde ihre Lebensform ignoriert? Waren sie per se Opfer oder beteiligten sie sich am diktatorischen System?

Gästeführerin: Irene Franken

Termin: Samstag, 6. Juli 2019, um 14:00 Uhr (im Rahmen des CSD nur für Frauen)
Kosten: 10 Euro
Dauer: 2 Stunden
Treffpunkt: Gedenkstein für homosexuelle NS-Opfer, unter der Hohenzollernbrücke, linksrheinisch, KVB-Haltestelle: Dom / Hbf



KÖLN


Lesbengruppen in der DDR

Vortrag von Samirah Kenawi


Gab es Lesbengruppen? Wo und wie fanden und trafen sie sich? Wie war es angesichts fehlender Versammlungsrechte und Zensur möglich, feministisch-lesbische Netzwerke zu knüpfen? Und überhaupt: DDR - was war das eigentlich? Eine kurze Geschichte über das kurze Dasein (in) einer anderen Welt.

Termin: Mittwoch, 20. November 2019, um 19:30 Uhr
Kosten: Spenden erbeten
Ort: Rubicon, Rubensstr. 8-10



MECKLENBURG-VORPOMMERN: GREIFSWALD – WISMAR – NEUBRANDENBURG...


Die Ausstellung „WIR* HIER! Lesbisch, schwul und trans* zwischen Hiddensee und Ludwigslust“ tourt 2018 und 2019 durch Mecklenburg-Vorpommern.

Welche lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Persönlichkeiten leb(t)en und wirk(t)en in der Region des heutigen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern? Gemeinsam mit über 50 Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat sich der Verein Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern auf Spurensuche begeben, um zu Lebensalltag und Geschichte von LSBT* im Bundesland zu forschen. Entstanden ist eine Ausstellung voller Geschichten über Überlebensstrategien, Organisierung und Alltag von der Zeit des Kaiserreichs bis in die Gegenwart.

Weitere Infos:
_"Lesbisch, schwul und trans* zwischen Hiddensee und Ludwigslust“
_Ausstellungstermine
_Veranstaltungen im Begleitprogramm

Flyer als pdf: pdf



Die Termine für die erste Jahreshälfte 2019:


Ort: St. Spiritus Greifswald (Eröffnung am Samstag, den 16.02.19, um 18 Uhr)
Termin: 14. Februar – 28. März 2019

Ort: Gerichtslaube im Rathaus Wismar (Eröffnung am Montag, den 01.04.19)
Termin: 1. April – 8. Mai 2019

Ort: Hochschule Neubrandenburg (Eröffnung am Montag, den 13.05.19)
Termin: 13. Mai – 22. Juli 2019



5. Forschungssplitter




Widerständigkeit eines Münchener Lesbenpaars im NS-Lageralltag


Während des NS gelang es zwei Lesben aus München, die im KZ Moringen interniert waren, ein kleines Kämmerchen als Nachtquartier zu nutzen. Sie gehörten zu einer Gruppe inhaftierter Frauen – möglicherweise ausschließlich Kommunistinnen. Unter ihnen war die kommunistische Widerstandskämpferin und spätere Friedensaktivistin Hedwig Regnart (1908-2001). Hed Regnart erzählt Frauen aus der linken Nürnberger Courage-Gruppe in einer Dokumentation ihre Geschichte. In ihrem Bericht über die Situation im KZ Moringen, wo sie ab 1.3.1936 fast ein Jahr interniert war, erwähnt sie kurz das Lesbenpaar (ab 17:49min./ 21min).
Quelle: Frauenverband Courage (1998): "Schwestern, vergeßt uns nicht...". Erarbeitet von Freundinnen und Freunden der Courage Gruppe Nürnberg" (BRD 1998, 34:06min). In der Dokumentation erzählen die kommunistischen Widerstandskämpferinnen Hed Regnart und Hilde Gerber, späterer verheiratete Faul (1915-mind. 1995).
Vgl. https://www.goettinger-tageblatt.de/Die-Region/Northeim/Bilder-von-frueheren-Moringer-KZ-Gefangenen-werden-ausgestellt
Den Hinweis auf die Erzählung der Überlebenden Hedwig Regnart bekamen wir freundlicherweise von Dr. Henning Fischer (kollektivbiographische Studie zur Lagergemeinschaft Ravensbrück) im Rahmen unseres kleinen Forschungsprojekts zu Lotte Hahm (1890-1967). Herzlicher Dank!

Ingeborg Boxhammer und Christiane Leidinger (5/2019).

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Claire Waldoff (1884-1957) als Stummfilm- und Operettenstar


Claire Waldoff (auch: "Kläre Waldow" oder "Claire Waldow", auch: Claire Waldorf) wirkte mindestens in folgenden Stummfilmen mit:

_Das Zeitungsmädel / Mizzy, das lustige Zeitungsmädl / Mieze Strempels Werdegang / Strampels Mieze (Anm. 1)
Deutschland 1915, R: Waldemar Hecker, DB: Ludwig Mendelssohn, Produzent: Jules Greenbaum (www.earlycinema.uni-koeln.de, 3/2016); mit Helene Voß (1876-1926). Schlagerlustspiel.
"'Das Zeitungsmädel' von Ludwig Mendelssohn mit Claire Waldorff in der Titelrolle gehört zu den besten Bildern heiteren Inhalts der diesjährigen Saison. Claire Waldorff, ein Star der Brettlwelt, spielt im Film ein echtes Berliner Kind, Mieze Strempel, die Tochter eines Elternpaares, das im Gemüsekeller zwischen Bollen, Kohlrabi und neuen Kartoffeln den Daseinskampf führt. Claire Waldorff spielt mit realistischer Urkraft (?) das Töchterlein, das eingesegnet wird, plätten und ihren Max kennen lernt, die Rennbahn besucht, mit Graf Kotz poussiert und schließlich eine große Varietékünstlerin wird. Als feine Dame kehrt sie zurück zum Gemüsekeller und da sie ihrem Max treu blieb, macht sie aus ihm einen richtigen Ehemann. Claire Waldorff ist also in ihrem 'Miljöh', als richtiger Berliner Pflanze auf den Film gebracht worden. Waldemar Hecker hat mit bestem Erfolg die Regie geführt; 'Das Zeitungsmädel' wird sicher gefallen."
(Quelle: Prager Tagblatt, 25.12.1915, S. 11)
"glänzende Regie und eine Prachtleistung der Hauptdarstellerin Claire Waldow (sic)"
(Quelle: Kinematographische Rundschau, Wien, 12.9.1915, Nr. 392, S. 41; 2. Titel 31.12.1915, Neues Wiener Journal, S. 17)
"Claire Waldorf (sic) ist in Berlin in der Operette tätig und auch außerhalb der Bühne durch ihr burschikoses Wesen bekannt. Der Film 'Das Zeitungsmädel' gibt ihr ausgiebig Gelegenheit, ihr Wesen auch vor der weißen Wand nicht zu verleugnen."
(Quelle: Grazer Tagblatt, 19.11.1915, S. 3)

(Anm. 1) Anmerkung: Die vier unterschiedlichen Titel scheinen denselben Film zu beschreiben. Das lässt sich an den unterschiedlich knappen Beschreibungen nicht sofort herauslesen. Der Film wird von Volker Kühn und Maegie Koreen als "Strampels Mieze" für 1909 angegeben.
(Quellen: Kühn, Volker (Hrsg.): Claire Waldoff. Weeste noch…? Erinnerungen und Dokumente. Berlin 1997, S. 137; Koreen, Maegie: Claire Waldoff: Die Königin des Humors. Eine Biografie. Gelsenkirchen 2014, S. 54). Der Filmprüfstelle hat er lt. www.filmportal.de im August 1915 vorgelegen.

_Die verkaterte Mumie
Deutschland 1916, Produzent: Franz Vogel (www.filmportal.de)

_Der Gipfel der Frechheit
Deutschland 1916, Produzent: Franz Vogel; "Kläre Waldow in einer Hosenrolle als Piccolo". (Quelle: Kinematographische Rundschau, Wien, Nr. 443, 3.9.1916, S. 15)

_Die Dame im Schaufenster
Deutschland 1918, R: Denny Kaden, DB: Denny Kaden, Erich Schönfelder (www.filmportal.de), mit Erich Schönfelder (1885-1933). Waldoff soll hier eine Schaufensterpuppe dargestellt haben. (Quelle: Koreen, Maegie: Claire Waldoff: Die Königin des Humors. Eine Biografie. Gelsenkirchen 2014, S. 80)

_Der Jüngling aus der Konfektion
Deutschland 1926, R: Richard Löwenbein, DB: Bobby E. Lüthge, Willy Prager (www.filmportal.de), mit Curt Bois (1901-1991)

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Claire Waldoff in der Wiener Uraufführung der Operette "Der süße Kavalier"

Am Wiener Apollo-Theater wird am 11. Dezember 1923 eine neue Operette des Komponisten Leo Fall (1873-1925) uraufgeführt: "Der süße Kavalier", mit dem Text von Rudolf Schanzer (1875-1944) und Ernst Welisch (1875-1941).
Eine Wiener Zeitung berichtet: "Der Stoff des Buches (…) gehört diesmal dem Gebiete der rätselhaften und seltsamen Menschen an, die in der Geschichte irgend eine Rolle gespielt haben. Im Mittelpunkt der Handlung steht der Ritter d'Eon, den seine Zeitgenossen als Jüngling oder Mädchen nahmen und dessen reizvolle Geschichte [Friedrich] Bülau (Universitätsbibliothek: ‚Geheime Geschichten') erzählt. Ein Androgyn-Problem also, just jetzt, da Peladans Roman ‚Der Androgyn' in deutscher Sprache erschien, der ein ähnliches Thema behandelt. Die Rolle des Eon gibt Frau [Emmy] Sturm, der jüngste und beliebteste Operettenstar Berlins, eine Kölnerin von Geburt, deren leidenschaftliches Spiel, entzückende Anmut und süße Stimme rasch das Herz des Berliner Publikums eroberten; in den anderen Rollen treten Frl. [Helma] Bernay, eine pikante Schönheit, die aus München stammt, Claire Waldow (sic), die hier zum ersten Male in einer Operette erscheint (…) Die Premiere dirigiert Leo Fall." (Quelle: Der Ritter d'Eon als Operettenheld, in: Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, 23.11.1923, S. 5)
Siehe zur Figur des Ritters d'Eon auch die Filme "Exzellenz Unterrock" (1921) und "Marquis d'Eon, der Spion der Pompadour" von 1928. Der Begriff "d'Eon" ist aus der lesbisch-schwul-trans Subkultur und Organisierung bekannt: 1929 wurde in Berlin eine "transvestitische" Vereinigung mit der Bezeichnung "D'Eon" gegründet.

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Claire Waldoff 1913 in Wien engagiert? Anekdote in einer Wiener Zeitung (Auszug aus dem Artikel "Tritsch-Tratsch"):

"(...) Nicht überall spielt sich eine Engagementserneuerung so gemütlich und mit so lustigen Begleitumständen ab, wie es kürzlich bei Frl. Claire Waldow (sic) am Deutschen Volkstheater der Fall war. 'Lübe Waldow,' hatte mit gutmütig murrender Grabesstimme Herr Weisse zu ihr gesagt, 'wü dönken Sie über den Ablauf ihres Vörtrages?!' – 'Daß Sie ihn momentan auf eine Reihe von Jahren verlängern,' replizierte mit gewohnter Spitzzüngigkeit die scharfe schnippische Waldow. 'Oder haben Sie Bedenken?' – 'Nuun,' meinte Weisse nachdenklich, 'nuun, ich wäre ja soweit zufrieden, aaber etwas müssen Sie ändern, wenn ich Sie behalten soll – ' – 'Und das wäre?' – 'Sie sind viel zu mager, lübe Waldow; ja, im vollen Ernst, Sie müssen eine vollere Figur bekommen! Versuchen Sie oine Mastkur oder wönden Sie sonst wölche Mittel an. Tun Sie, was Sie wollen, aber wörden Sie voller!' Seither trinkt die Schauspielerin literweise Kefirmilch, aber naturgemäß läßt sich Leibesfülle nicht forcieren.
Als nun kürzlich die Waldow zu spielen hatte und der Moment des Auftretens gekommen war, gab es im Volkstheater große Aufregung, weil trotz der Inspizientenglocke die Künstlerin noch nicht zu sehen war. Im Hause war sie; Kolleginnen hatten sie bestimmt in der Garderobe bemerkt. Man stürzte also zur Garderobentür, sogar Weisse schloß sich der Expedition an, – da kam endlich die Gesuchte atemlos heraus. 'Spät, aber doch,' erklärte sie den Harrenden, 'ja, lieber Herr Direktor, dafür wer'n Sie aber heut' auch mit meinem Aussehn zufrieden sen! Was, da schauen S', wie mollert ich bin?! Ich bitt, ich genier' mich gar net zu gestehn; ich hab' mir vom Reithoffer eine Garnitur weiblicher Reize ang'schafft und mit dem ungewohnten Zeugs hab' ich beim Anziehen mein G'strett g'habt, daß sich alles recht natürlich und ausgeglichen ansieht. Jetzt soll mir noch einer von Magerkeit reden!' – Das Gelächter läßt sich denken, und das beste an der Sache ist, daß das nicht etwa ein von der Waldow erfundener Spaß, sondern Tatsache war. In der Uebergangszeit will sie sich 'halt so' behelfen; später wird die Mastkur ihre Schuldigkeit schon alleene tun. Was macht man nicht alles, um einen guten Vertrag prolongiert zu kriegen.'"
(Quelle: Wiener Montags-Journal, 31.3.1913, S. 3)

Ingeborg Boxhammer (3/2016; aktualisiert 5/2019)

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„Frauen erkämpfen Winterhilfe“?!
Hungerproteste in Kalkberge im Winter 1932/1933 mit oder ohne Johanna Elberskirchen und Hildegard Moniac? – Dokumentation einer Recherche


Christiane Leidinger (Berlin 1/2016), unter Mitarbeit von Ingeborg Boxhammer

Die Recherchen für diesen Text wurden dankenswerter ermöglicht durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung: Logo Rosa-Luxemburg-Stiftung

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Johanna Elberskirchen, ihr politisches Netzwerk im Bonn-Kölner Raum und die Idee einer Frauenfriedensdemonstration zu Beginn des Jahres 1913


Im Winter 1912/1913 bedroht der Krieg auf dem Balkan den Weltfrieden. Die Arbeiterbewegung sowie Friedensbewegung und mit ihr Teile der radikalen bürgerlichen Frauenbewegung sowie linksliberale demokratische Parteien sprechen sich auf internationalen Kongressen und deutschlandweiten Kundgebungen für den Frieden aus. Im Rheinland lässt sich mindestens ein Versuch belegen, für eine Frauenfriedensdemonstration zu mobilisieren: In Bonn versucht ein einzelner – am demokratischen Wahlrecht für alle orientierter – Frauenstimmrechtsverein mit der Aktivistin Johanna Elberskirchen (1864-1943) an der Spitze, eine große Frauenfriedensdemonstration zu organisieren. Letztendlich beteiligten sich jedoch an der vorbereitenden Veranstaltung nur eigene Vereinsmitglieder.

An diese Ausgangsinformation werden folgende Fragen gestellt:
Welche Medien berichten darüber? Wer bzw. welcher Verein brachte die Idee auf und lud welche Organisationen vor welchem Hintergrund zur Vorbereitung einer Frauenfriedensdemonstration ein? Könnte eine Kopplung an den sozialdemokratischen Internationalen Frauentag am 2. März 1913 beabsichtigt gewesen sein? Welche Ziele scheint der einladende Verein zu verfolgen und was könnten die Gründe für das Scheitern der Mobilisierung sein? Wie lässt sich die Idee einer Frauenfriedensdemonstration einordnen? Warum gelingt kein Bündnis mit anderen Bonner Frauenorganisationen?

Ingeborg Boxhammer (Bonn 12/2015), unter Mitarbeit von Christiane Leidinger

Die Recherchen für diesen Text wurden dankenswerter ermöglicht durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung: Logo Rosa-Luxemburg-Stiftung

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Errata: Wohnhaus von Johanna Elberskirchen und Anna (Aebi-)Eysoldt in den 1910er Jahren in Bonn


Das bis 2/2015 in der Bildergalerie des Lesbengeschichtsportals gezeigte Haus in der Bonner Burbacherstraße 80 war nicht das Wohnhaus von Johanna Elberskirchen und Anna (Aebi-)Eysoldt in den 1910er Jahren.
Die von Ingeborg Boxhammer für einen historischen Stadtrundgang zu der Bonnerin 2002 recherchierte Wohnhausangabe hat sich als falsch herausgestellt: Bei dem abgebildeten Haus handelte es sich zu Lebzeiten von Johanna Elberskirchen um die Burgstraße 109 in Bonn. Das Grundstück des eigentlichen Wohnhauses (früher: Burbacherstraße 80) trägt heute die Nummer 193 der Burbacherstraße. Das frühere Haus wurde Mitte der 1920er Jahre abgerissen.

Weitere Hinweise zu anderenorts übernommenen Angaben:
Ein Foto des vermeintlichen Wohnhauses befindet sich fälschlicherweise zum einen auch in der Biografie von Johanna Elberskirchen "Keine Tochter aus gutem Hause" von Christiane Leidinger (UVK 2008), S. 230, und zum anderen auf einer der seit 2012 ausgestellten Tafeln über Johanna Elberskirchen im Haus der Frauengeschichte in Bonn.

Bonn, 24.2.2015

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Neue ausgewählte Details zur Herkunftsfamilie und zum Umfeld von Emma Trosse (1863-1949), verheiratete Külz


1. Familie

Emma Trosse war die älteste von mindestens fünf Geschwistern.

Zu den Eltern von Emma Trosse:
Emma Emilie Theres Böther (geb. 1839), Tochter des Christian Friedr. Böther.
Friedrich Trosse (geb. 1833), Sohn des Joh. Gottl. Trosse
Hochzeit am 13.11.1860 in Gransee.

Die Namen und Taufdaten der drei Schwestern und zwei Brüder lauten:
Bertha Franziska Johanna Trosse, getauft am 27. November 1864
Sophie Charlotte Elisabeth Trosse, getauft am 3. Februar 1867
Bertha Hermann Rosalie Trosse, getauft am 20. Dezember 1868
Friedrich Carl Christian Trosse, getauft am 23. April 1871
Carl Hermann Otto Trosse, getauft am 18. Februar 1874
Hinweis: alle Taufdaten beziehen sich auf Gransee, Kreis Ruppin, Brandenburg, Preußen.

2. Umfeld

Sterbeorte:
Hermine Dulsmann, geborene von Bardeleben (geb. 1846 auf Rittergut Cattenbruch bei Rinteln Kreis Grafschaft von Schaumburg, 1905 gest. in Mittenfelde bei Neustrelitz, Mecklenburg-Strelitz)

Herkunft:

Die Eltern von Hermine Dulsmann waren Emil Ludwig Karl August von Bardeleben und Mathilde Auguste Charlotte Korff. Sie war das drittgeborene Kind von insgesamt fünf Geschwistern.

Die Geburts- und Sterbedaten sowie Hochzeitsdaten und Orte von drei – der vier – Kinder von August und Hermine Dulsmann:

1.) Paula Dulsmann (1868-1947, jeweils in Obernkirchen)
seit 1893 mit Arthur Binder verheiratet, zwei Kinder (geb. 1894 und 1896)

2.) Mathilde Wilhelmine Dulsmann (1870 in Obernkirchen, gest. 1953 in Verden/Aller)
1894 in Bad Neuenahr mit Adolf Johann Martin Schwabe (1866-1950 jeweils in Verden/Aller) verheiratet.
Kinder: Lothar Ludwig Wilhelm Theodor Schwab (geb. 1899 in Verden/aller, im Krieg 1918 in Frankreich gefallen)

3.) Ludwig Victor Emil Dulsmann (geb. am 20.12.1874 in Bremen, 1954 gest. in Obernkirchen)
seit 1906 mit Caroline Wecke verheiratet

(Quellen: Kirchenbücher)

Christian-Alexander Wäldner (Hannover 10/2013)



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Neue ausgewählte Details zu Johanna Elberskirchen (1864-1943):


__Das Wahllokal des Wahlbezirks Nr. 5, "Bergstraße", in dem Johanna Elberskirchen aller Wahrscheinlichkeit nach bei der Reichstagswahl am 12. Januar 1912 ihrem Anspruch auf Wahlrecht Ausdruck verlieh, indem sie versuchte, ihre Stimme abzugeben, befand sich in der Bonn-Kessenicher Mechenstraße 59 (Gebäude nicht erhalten), wo die Gastwirtschaft "Zur Traube" als Wahllokal diente.
Das Wahllokal dieser Protestaktion, an der sich in der Stadt mindestens drei Frauen beteiligten und zu der ein Frauenstimmrechtsverein in einer Zeitungsanzeige mobilisiert hatte, lag ganz in der Nähe ihrer damaligen Wohnung in der Burbacherstraße 80.


Ingeborg Boxhammer (Bonn 6/2012)



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__Johanna Elberskirchen und Anna Eysoldt (1868-1913) waren lt. Melderegister der Bürgermeisterei Waldorf 1897-1903, A-H (Stadtarchiv Bornheim), vom 31. Oktober 1902 bis zum 5. Mai 1904 bei "von Nordeck" auf Burg Hemmerich "auf Besuch".



Ingeborg Boxhammer (Bonn 2011)



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__Johanna Elberskirchen hatte nicht nur vier Geschwister (drei jüngere Schwestern, einen älteren Bruder) wie bislang anhand der Bonner Meldekartei (ab 1880) nachgewiesen (vgl. Leidinger 2008: 23), sondern insgesamt eigentlich sieben.

Die neu recherchierten Elberskirchen'schen Geschwister waren:

1. Ida Elberskirchen (ca. 1863- gest. 12.7.1864) [gleichnamig mit der 1866 geborenen], geb. in Deutz und mit 1, 5 Jahren gestorben in Bonn


2. Otto Elberskirchen (27.1.1867-26.10.1867), geb. und gestorben in Bonn


3. eine männliche Totgeburt am 19.8.1870, Bonn.


__Bislang konnte nur vermutet werden, dass Johanna Elberskirchen ihr Pseudonym "Hans Carolan" für Publikationen benutzte; inzwischen liegt ein Text aus dem Jahr 1887 vor, der ihr vom Stil her sehr eindeutig zugeordnet werden kann und der mit dem Namen "Hans Carolan" versehen ist. Die Roman-Rezension erschien in "Die Gesellschaft" in Leipzig.
__Einzelne Schriften von Johanna Elberskirchen wurden in verschiedene Sprachen übersetzt. Bekannt waren bisher: tschechisch und niederländisch (vgl. Leidinger 2008: 223f.); mittlerweile gibt es den Nachweis einer Übersetzung ins Estnische.

Christiane Leidinger (Berlin 2009)




6. Neu auf der Website – Ältere Informationen siehe unter Archiv




Nicht alle Texte auf dem Portal www.lesbengeschichte.de sind gleichermaßen in allen Sprachen zugänglich. Die Übersetzungen werden, wie die gesamte Arbeit an der Website, unentgeltlich geleistet und sind daher nur schrittweise möglich. Lesbengeschichte basiert auf dem Engagement vieler.
Wir freuen uns über jede neue, noch so kurze Übersetzung in jeder Sprache. Dankesehr! Nehmen Sie/nehmt Ihr Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns! info(at)lesbengeschichte.org


März 2019: Lesben & Film > Filmlisten Spielfilm und Dokumentationen aktualisiert

April 2017: Biografische Skizzen > „Du, meine Verzweiflung und mein Streben", Margot Hanel (1912-1941)
Juli 2016: Biografische Skizzen > Gerda M. (1923-1943): „Ich möchte so wie ich aufgefunden werde beerdigt werden“
Nationalsozialismus > 1933-1945 > Aktenstudien > Gerda M. (1923-1943): „Ich möchte so wie ich aufgefunden werde beerdigt werden“

Januar 2016: Aktuelles > Forschungssplitter > "Frauen erkämpfen Winterhilfe?!" Hungerproteste in Kalkberge im Winter 1932_33 mit oder ohne Johanna Elberskirchen und Hildegard Moniac? Dokumentation einer Recherche, von Christiane Leidinger und Ingeborg Boxhammer
Links > aktualisiert

Dezember 2015: Biografische Skizzen > Eva Siewert (1907–1994), Kurt Hillers „Schwester im Geiste“ – „Wilde Freundschaft für Sie im Herzen meines Hirns“ von Raimund Wolfert
Aktuelles > Forschungssplitter > "Johanna Elberskirchen, ihr politisches Netzwerk im Bonn-Kölner Raum und die Idee einer Frauenfriedensdemonstration zu Beginn des Jahres 1913" von Ingeborg Boxhammer und Christiane Leidinger

November 2015: Nationalsozialismus > Erinnerungskultur > Gedenkstätten/-orte > Ein 'wildes' Gedenkzeichen für lesbische Frauen und Mädchen in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück" von Corinna Tomberger
Nationalsozialismus > Erinnerungskultur > Gedenkveranstaltungen > 2015: Stolpersteinverlegung in Gedenken an Elli Smula (1914-1943)
Nationalsozialismus > Erinnerungskultur > Stolpersteine > Elli Smula

September 2015: Nationalsozialismus > Erinnerungskultur > Vortragsdokumentation: "Zur Politik der Platzbenennung – Überlegungen für eine intersektionalitätsbewusste und empowernde Erinnerungskultur" von Christiane Leidinger



7. Website updates




Not all the articles on the portal www.lesbengeschichte.de are equally accessible in all languages. The translations, as with the whole of the work on this website, are the result of voluntary work and can therefore only be achieved step by step. Lesbian history is based on the dedication of a lot of people. We are happy about every new and even short translation in any possible language. Thank you! Please contact us. We are looking forward to hear from you: info(at)lesbengeschichte.org


Since summer 2014 we are promoting the English version of the website with a new edition (different portraits) of our postcard:


Postkarte 2014 Front


Front from left to right:

first row: Annette Eick (1909-2010), Elisabeth Leithäuser (1914-2004), Helene Wolff (1871-1917), Margarete Herz (1872-1947), an unknown person on the cover of the magazine "Ledige Frauen" 1928
second row: Lotte Hahm (1890-1967), Anneliese Wulf, aka "Johnny" (1916-1995), Claire Waldoff (1884-1957), Theo Anna Sprüngli/Ps. Anna Rüling (1880-1953), "Teddy" (life data unknown)
third row: an unknown person, Christa Winsloe (1888-1944), Johanna Elberskirchen (1864-1943), Emma Trosse (1863-1949) and Anna Elisabet Weirauch (1887-1970).

We thank the designer Sabine Trautner (www.maid-in-berlin.de)

June 2014: pages in English now completely built in CSS
new page as scheme: Sitemap


October 2013: "Biographical sketches" > Gertrude Sandmann (english)


June 2012: "Lesbians & Film" > statistics no. 3 updated (english, german, french, spanish)


Dezember 2009: "Lesbians & Film" > english list updated


September 2009: "Lesbians & Film" > statistics no. 3 updated (english, german, french, spanish)


Juli 2009: "Lesbians & Film" > english list updated
"Biographical sketches" > Jenny Riedemann





8. Infos zur Website


Webportal goes offline!


Seit Sommer 2015 werben wir für das Portal mit einer neuen Postkartenversion.

Postkarte 2015 Vorderseite


Die Vorderseite zeigt nun von links nach rechts:

1. Reihe: Annette Eick (1909-2010), Elisabeth Leithäuser (1914-2004), Helene Wolff (1871-1917), Margarete Herz (1872-1947), eine Unbekannte auf dem Titel des Magazins "Ledige Frauen" 1928
2. Reihe: Lotte Hahm (1890-1967), Anneliese Wulf, aka "Johnny" (1916-1995), Claire Waldoff (1884-1957), Theo Anna Sprüngli/Ps. Anna Rüling (1880-1953), "Teddy" (Lebensdaten unbekannt)
3. Reihe: eine Unbekannte, Christa Winsloe (1888-1944), Johanna Elberskirchen (1864-1943), Emma Trosse (1863-1949) und Anna Elisabet Weirauch (1887-1970).


Wir danken ganz herzlich der Designerin Sabine Trautner (www.maid-in-berlin.de), dem Kollektiv hinkelsteindruck (www.hinkelstein-druck.de) und vor allem den Frauen, die mit kleinen und großen Spenden diese Idee ermöglicht haben.


Vom Herbst 2011 bis zum Sommer 2015 werben wir für die Lesbengeschichtsseite mit einer informativen Postkarte, die ab sofort an einschlägigen Veranstaltungsorten und Archiven ausgelegt werden kann/ausliegt:


Postkarte 2011 Vorderseite


Die Vorderseite zeigt von links nach rechts:

1. Reihe: Annette Eick (1909-2010), Elisabeth Leithäuser (1914-2004), Carlotta Vyllary (Lebensdaten unbekannt), Anneliese Wulf, genannt "Johnny" (1916-1995), eine Unbekannte auf einem Titel der Zeitschrift "Ledige Frauen" 1928
2. Reihe: Lotte Hahm (1890-1967), eine Unbekannte, Claire Waldoff (1884-1957), Theo Anna Sprüngli/Ps. Anna Rüling (1880-1953), "Teddy" (Lebensdaten unbekannt)
3. Reihe: eine Unbekannte, Christa Winsloe (1888-1944), Johanna Elberskirchen (1864-1943), Emma Trosse (1863-1949) und Anna Elisabet Weirauch (1887-1970).

Wir danken ganz herzlich der Designerin Sabine Trautner (www.maid-in-berlin.de), dem Kollektiv hinkelsteindruck (www.hinkelstein-druck.de) und vor allem den Frauen, die mit kleinen und großen Spenden diese Idee ermöglicht haben.


Sehr herzlichen Dank an alle aus Bonn, Köln, Hamburg und Berlin mit guten Wünschen für einen schönen Frühling,


Christiane Leidinger und Ingeborg Boxhammer